Heute liegen uns Dokumente vor, in welchen Hitlers Absichten und Pläne zur Erobe- 
rungen der Schweiz ersichtlich sind.? Dies geht zudem auch aus einer Rede Adolf Hit- 
lers an die Reichs- und Gauleiter am 7. Mai 1943 hervor, in welcher er zu verstehen 
gab, ,dass das Kleinstaatengerümpel, das heute noch in Europa vorhanden ist, so 
schnell wie möglich liquidiert werden muss.“!° 
Hitler konnte und wollte die schweizerische (und damit auch die liechtensteinische) 
Eigenstaatlichkeit nicht akzeptieren. Bei einer Absprache am 18. Juni 1940 in Mün- 
chen, hatten sich Hitler und Mussolini darauf beschränkt, die Schweiz von aussen 
vollstándig zu umfassen." Durch diese totale Umzingelung durch die Achsenmáchte 
sollte die Schweiz bei mangelnder Folgsamkeit einfacher erpresst werden kónnen. 
Spáter rückten allerdings auch gesamtstrategische Interessen ins Zentrum. Am 23. 
Juni 1940 wird im Führerhauptquartier Wolfsschlucht 1 Hitlers Befehl zur überra- 
schenden Besetzung der Schweiz durch die 12. Armee geprüft. Auf Grund eines Ek- 
lats im Führerhauptquartier am nachfolgenden Abend, kam die Aktion ,Sonderauf- 
ul? 
gabe Schweiz" ^ nicht zustande. Die Schweiz entging damit um Haaresbreite der 
Annexion durch das Deutsche Reich. 
Die Fidgenossenschaft und das Fürstentum vertieften wahrend der Kriegsjahre ihre 
Beziehung, verfolgten aber unterschiedliche Interessen. Für die Schweiz bildete 
Liechtenstein auf Grund seiner strategischen Lage am Ostzugang zum schweizeri- 
schen Verteidigungsraum und zur Festung Sargans ein gewisses Sicherheitsrisiko. 
Deshalb versuchte die Schweiz der verdeckten Anschlussgefahr Liechtensteins an das 
Deutsche Reich entgegenzuwirken, indem sie dem Fürstentum wirtschaftlich entge- 
genkam und andererseits auch versuchte, es durch Kontrolle oder auch durch War- 
nungen davon abzuhalten. Dennoch blieb die Schweiz beunruhigt über die ungewisse 
Zukunft des Fürstentums. Es wurde befürchtet, Liechtenstein kónne sich letztlich 
doch noch dem Reich anschliessen, sei dies durch nationalsozialistisch-gesinnte, in- 
nenpolitische Krafte oder durch gewaltsame Eingliederung von ausserhalb. Sollte 
sich Liechtenstein ins Reich integrieren, so stünde die Wehrmacht direkt vor der Fes- 
  
9 Urner, Klaus: Die Schweiz muss noch geschluckt werden — Hitlers Aktionspláne [...]. - Zürich : Pendo, 1990, S. 13-74. 
10 Craig, Gordon A.: Deutsche Geschichte: 1866-1945. — München : Beck, 1983, S. 806. 
H Urner, Klaus: Die Schweiz muss noch geschluckt werden — Hitlers Aktionspláne [...]. - Zürich : Pendo, 1990, S. 14. 
12 
Ebd., S. 65.
        

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