Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter handelte, aber auch um über einhundert KZ- 
Häftlinge. Nach Nationen waren dies über 3000 Franzosen, gut 1200 Russen, 700 Polen, 
400 Belgier, je 300 Italiener und Holländer, über 200 Inder, etwa 150 Schweizer, 121 
Liechtensteiner, 90 Kroaten, 60 Serben, 42 Deutsche, 10 Tschechoslowaken und noch 
einzelne Spanier, Ungarn, Letten, Bulgaren, Norweger, Kanadier und Syrer.?? Mit dem 
Náherrücken der Franzosen Anfang Mai, óffnete die Schweiz den Grenzbewohnern im 
Vorarlberg die Grenzen, um sich vorübergehend in Sicherheit zu bringen. Ab dem 3. 
Mai konnten diese wieder in ihre Heimat zurückkehren.?! Zu Beginn des Flüchtlingsan- 
drangs hatten die liechtensteinischen Pfadfinder in Schaanwald eine Suppenküche in 
Betrieb genommen, unterstützt wurden sie dabei auch von Fürstin Gina und Prinzessin- 
nen aus dem Hause Liechtenstein. Dank der grossen Solidarität, welche das Land Liech- 
tenstein und vor allem auch die Pfadfinder entgegenbrachten, konnten tausende 
Flüchtlinge versorgt und genährt werden. Am Tag von Hitlers Selbstmord, den 30. April, 
wurde das Liechtensteinische Rote Kreuz gegründet.” 
Was die Putschteilnehmer, die freiwilligen Kriegsteilnehmer und alle Spione für Nazi- 
deutschland, die im Dienste der Gestapo standen, betraf, so wurde dem Landtag am 12. 
Mai ein Schreiben des Aktionskomitees ,Heimattreue Liechtensteiner" vorgelegt, in 
welchem empfindliche Bestrafungen für die ,Landesverráter" gefordert wurden. So 
sollte ihnen allen das Wahl- und Stimmrecht entzogen werden, nazistisch orientierte 
Staatsangestellte seien fristlos zu entlassen und Ausländer, die in die NS-Umtriebe ver- 
wickelt waren, seien sofort auszuweisen. Die Regierung beschloss, den Forderungen 
des Aktionskomitees teilweise nachzukommen. Das Kriminalgericht Vaduz verurteilte 
ein Dutzend Putschisten im Sinne des „Hochverrat auf entfernte Weise“ zu langen Frei- 
heitsstrafen. Auch kam es zu einer Reihe von Ausweisungen von Deutschen, die als 
NSDAP-Funktionäre in Liechtenstein agierten. 
Neben den sozialen Auswirkungen folgerte der 2. Weltkrieg auch einen wegweisenden 
Wandel der liechtensteinischen Wirtschaft. Die Nachkriegszeit war von einem anhal- 
tenden Wirtschaftsaufschwung gekennzeichnet.” Innerhalb weniger Jahrzehnte 
  
9? liechtensteiner Volksblatt: „Die kritischen Tage an unserer Nordgrenze" Ausgabe vom 5.5.1945, (06.01.2015). 
?! Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein: Jahrbuch, Bd. 95. S. 61 
?! www.roteskreuz.li: Über uns, (20.12.2015). 
55 www.liechtenstein.li: Geschichte, (20.12.2015). 
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