Genossenschaftswesen Liechtenstein 
Weiter entstanden im Laufe des Jahrhunderts vermehrt auch im nicht-landwirtschaftlichen Bereich neue 
Genossenschaften, so zum Beispiel 1960 die ‚Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland (WLU) ein- 
getragene Genossenschaft ^?, 1972 die , Theater am Kirchplatz eG“ oder 1992 die ‚Solargenossenschaft 
Liechtenstein‘. 
Auf rechtlicher Ebene wurde mit dem Personen- und Gesellschaftsrecht (PGR) von 1926 ein neuer Re- 
gelungsrahmen für das gesamte Gesellschaftswesen in Liechtenstein geschaffen, das in den Art 428— 
495 auch das Genossenschaftswesen auf neue rechtliche Beine stellte, insbesondere auch die landwirt- 
schaftlichen und Alpgenossenschaften als Relikte der herrschaftlich-genossenschaftlichen Agrarverfas- 
sung. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Gesetz über die Bürgergenossenschaften 
von 1996 auch für das letzte Überbleibsel dieser Zeit eine neue rechtliche Regelung gefunden. 
2.2.4 21. Jahrhundert 
Die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts waren geprigt von den Entscheidfindungsprozessen in den einzel- 
nen Gemeinden hinsichtlich der möglichen Gründung einer Bürgergenossenschaft. Nach teils jahrelan- 
gen Diskussionen haben sich fünf Gemeinden für eine solche Gründung entschieden (Triesen, Eschen, 
Balzers, Mauren, Vaduz), in den anderen sechs Gemeinden wurde die Einheitsgemeinde gewählt. Nach 
und nach wurden die genannten Bürgergenossenschaften gegründet, zuletzt 2010 in Vaduz, und sie be- 
gannen sich als neue Akteure des Genossenschaftswesens zu etablieren. Angesichts der Tatsache, dass 
die Bürgergenossenschaften in den betreffenden Gemeinden bedeutende Grundeigentümer sind, ist de- 
ren wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung offensichtlich. 
Ergänzend zur bestehenden rechtlichen Ausgestaltung des liechtensteinischen Genossenschaftswesens 
kam im Jahre 2007 mit den Regelungen zur Europäischen Genossenschaft (Societas Cooperativa Euro- 
paea, SCE) eine weitere gesetzliche Grundlage für genossenschaftliche Organisationen hinzu, die zwi- 
schenzeitlich zu mehreren Neugründungen dieser Genossenschaftsform geführt hat. 
Als weiteres Novum wurde im Jahr 2014 die erste Wohnbaugenossenschaft Liechtensteins gegründet. 
Im Zusammenhang mit der Gründung und dem ersten Bauprojekt in Vaduz hat die Wohnbaugenossen- 
schaft einerseits viel Publizitüt gesucht, wurde aber auch mit viel interessierter Presse bedacht. Dadurch 
kam eine weitere Facette des Genossenschaftswesens hinzu, die vorher trotz grosser Verbreitung im 
umgebenden Ausland in Liechtenstein bis anhin nicht existiert hat. Die nüchsten Jahre werden zeigen, 
  
9? Ausführlich dazu Genossenschaft Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland (Hrsg), Wasserversorgung Liechtensteiner 
Unterland, FS zum Jubiláum 50 Jahre Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland WLU (2010). 
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