6.3 Verurteilung des nationalsozialistischen Terrors seitens der Bürgerpartei 
Für die Bürgerpartei ist im Frühling 1933 noch zu sehen, wie versucht wurde, sich selbst als 
„nationale Bewegung“ auf Linie sowohl mit Nazideutschland als auch mit dem autoritären Kurs 
Osterreichs zu stellen?" Doch infolge des Konflikts zwischen Nationalsozialismus und 
Austrofaschismus bezog die Bürgerpartei deutlich Stellung für letzteren. So führte das 
Volksblatt bei einem Besuch Dollfuss' in Vorarlberg aus, wie geschlossen Vorarlberg hinter 
Dollfuss stehe: ,,Die Terroristen wissen nun, dass sie im Volke keinen Anhang von Bedeutung 
haben. Denn das arbeitende Volk [...] hat [...] Kund getan, dass es mit Dollfuss den deutsch 
christlichen Staat will: Oesterreich über alles!??* Im Kontext des Juli-Putsches verurteilte das 
Volksblatt jene ,, Gangstermethoden in der Weltpolitik.*??? Im Gegensatz dazu wurde Dollfuss 
als Kanzler gefeiert, der für sein Vaterland starb und dessen Vermächtnis in Österreich 
weiterleben werde. Ferner erlàáuterte das Blatt, dass der Nationalsozialismus fiir 
Liechtenstein abzulehnen sei, wie auch indirekt Kritik an. der diktatorischen Herrschaft der 
nationalsozialistischen Partei in Deutschland geübt wurde, indem es das liechtensteinische 
Sprichwort ,,Grossa Gwalt wüart net alt^ anführte.?!! Dem folgend bezog das Volksblatt auch 
eindeutig Stellung gegen die NS-Sympathien im Heimatdienst?" wie auch gegen die 
antisemitischen Hetzkampagnen im Liechtensteiner Heimatdienst und Vaterland.?'? 
Es ist zu erwähnen, dass trotz der bekundeten Solidarität mit Österreich sich die Regierung 
offenbar keiner Illusionen über die schwache Verankerung des austrofaschistischen Regimes 
hingab. Dies belegt ein Schreiben der Regierung an das Eidgenössische Politische Departement 
im Januar 1934.* Jener Monat war geprägt von einer besonders intensiven national- 
sozialistischen Terrortätigkeit in Osterreich.? Bereits zu diesem Zeitpunkt erläuterte die 
liechtensteinische Regierung dem Politischen Departement, dass es nicht ausgeschlossen sei, 
„dass über kurz oder lang dort [in Österreich] die nationalsozialistische Bewegung die 
Oberhand gewinnt und die Macht übernehmen wird.“ *!° Für diesen Fall wurde ein Ansturm an 
politischen Flüchtlingen aus Österreich nach Liechtenstein befürchtet, so dass das momentane 
schweizerische Grenzwachtkorps zur wirksamen Kontrolle der Grenzen nicht mehr fähig sei, 
  
307 VB, 13.5.1933, 8. 1. 
308 VB, 3.7.1934, S. 4. 
309 VB, 28.7.1934, 8. 1. 
31? Ebg, 
311 VB, 13.4.1933, S. 2. 
312 VB, 13.2.1936, S. 2. 
35 VB. 2.7.1935, S. 1, VB, 13.6.1936, S. 3, und VB, 16.6.1936, S. 2. 
341] LA RF 143/098/001, Schreiben der liechtensteinische Regierung an EPD, 25.1.1934. 
35 Walser, Die illegale NSDAP in Vorarlberg und Tirol, S. 82. 
SIS LILA RF 143/098/001, Schreiben der liechtensteinischen Regierung an EPD, 25.1.1934. 
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