Ein Versuch, das Phänomen der vorläufigen Anwendung dogmatisch einzuordnen, 
hat Montag gewagt. Er geht in seiner Arbeitshypothese von einer (im Vergleich zu 
den oben genannten Theorien) ,vermittelnden Theorie" aus. Diese vermittelnde 
Theorie fusst auf dem Gedanken, dass die Konstruktion der vorláufigen Anwendung 
als eigenständige Vereinbarung im sog. „vereinfachten Verfahren" abgeschlossen 
wird und ihr im Regelfall auch Bindungswirkung beigemessen wird. 
Zunächst ist die Überlegung, dass die vorläufigen Anwendung als eigenständiger 
Vertrag, der im vereinfachten Verfahren abgeschlossen wird, logisch, wenn dies in 
? erfolgt. Aber auch dann, wenn die 
einem Zusatzprotokoll zum Hauptvertrag °° 
vorláufige Anwendung aus dem Hauptvertrag hervorgeht, ,erleichtert dieses Modell 
doch die Erklárung des Phánomens, da einsehbar wird, warum ein Vertrag schon 
Anwendung findet, ohne in Kraft getreten zu sein“ °° Diese „zusätzliche 
Vereinbarung“, die durch das vereinfachte Verfahren abgeschlossen wurde, bleibt 
solange in Kraft, bis der Hauptvertrag ratifiziert wird und damit unumstritten seine 
volle Rechtswirkung entfaltet®® oder bis ein Vertragspartner notifiziert, nicht mehr 
Vertragspartei sein zu wollen. Die Hypothese von Montag ist auch mit Art. 25 WVK 
vereinbar, denn dieser lässt wie beschrieben die vorläufige Anwendung auch dann 
gelten, wenn diese auf eine andere Weise vereinbart wurde, wenn sie im Vertrag 
vorgesehen wurde. So verbleibt praktisch jede Art einer Vereinbarung, die vorläufige 
Anwendung festzusetzen und danach zu vollziehen.“ Eine dogmatische Einordnung 
nach dieser Hypothese macht (auch mM nach) Sinn, 
„denn es ist gedanklich weniger schwierig, sich mit einer im vereinfachten 
Vertragsschlussverfahren abgeschlossenen Vereinbarung auseinanderzusetzen, welche 
als völkerrechtlicher Vertragstypus in den letzten Jahren weite Anerkennung erfahren hat, 
als mit dem fast paradoxen Fall eines Vertrages, der noch nicht in Kraft getreten ist, 
dessen Bestimmungen aber schon angewendet werden. 999 
Nach dieser Betrachtungsweise der vorlàufigen Anwendung, durch eine im 
vereinfachten Verfahren abgeschlossene Vereinbarung, erlangt also der vorläufig 
  
399 Siehe dazu sehr detailliert Montag, vorl. Anwendung, 1986, S. 48 — 62. 
38! ygl. Montag, vorl. Anwendung, 1986, S. 48. 
39? Siehe dazu oben Kapitel 4.2.3. 
393 Montag, vorl, Anwendung, 1986, S. 49. 
39* ygl. Gómez-Robledo, Second report, 2014, S. 16. 
385 ygl. Montag, vorl. Anwendung, 1986, S. 59f. 
398 Montag, vorl. Anwendung, 1986, S. 61, 
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