Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Historikerkommissionen 
Die entscheidende Leistung der Wahrheitskommissionen liegt nicht in 
der rechtlichen Aufarbeitung von Unrecht, sondern im Kampf um die 
kollektive Deutung und Erinnerung. Die Aufarbeitung des Unrechts 
gilt als wichtige Voraussetzung für die Versöhnung und für die Errich- 
tung einer wahren Demokratie. Die Mitglieder der Kommissionen sind 
in der Regel unabhängige, anerkannte Persönlichkeiten aus dem In- und 
Ausland. 
Die Unterscheidung und Abgrenzung von Wahrheitskommissio- 
nen und Rechtsprechung (auch durch Tribunale und Sondergerichte) 
wird immer wieder diskutiert. Sie kann nicht immer klar gezogen wer- 
den, da Wahrheitskommissionen unter Umstinden auch richterliche 
Funktionen hatten (zum Beispiel in Südafrika). Grundsätzlich gilt je- 
doch, dass sie ähnliche Zielsetzungen haben, sich aber in Bezug auf das 
Vorgehen unterscheiden: «Strafprozesse werden eher als Vergeltung 
gegen den/die Straftäter/in mit dem Endziel der Bestrafung angesehen, 
während Wahrheitskommissionen als Institutionen der wiederherstel- 
lenden Gerechtigkeit angesehen werden, die sich hauptsächlich auf das 
Opfer konzentrieren und die Würde des Individuums und der gesamten 
Gesellschaft wiederherstellen möchten.»* 
Nationale Historikerkommissionen 
im deutschsprachigen Raum 
In den letzten dreissig Jahren wurden von Regierungen verschiedener 
Staaten zahlreiche unabhängige Historikerkommissionen eingesetzt. 
Eine der ersten war die 1987 von der österreichischen Regierung 
geschaffene internationale Historikerkommission, die eine vermutete 
Beteiligung des früheren UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim an 
Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg untersuchte; Waldheim stand 
damals kurz vor der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten. Der 
von der Waldheim-Kommission im Februar 1988 vorgelegte Bericht er- 
  
officially authorized or empowered by the state under review.» Siehe Hayner, Un- 
speakable Truths. 
4 Valji, Gerichtsverfahren und Wahrheitskommissionen, S. 296. 
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