Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Wissenschaftsfreiheit und Persönlichkeitsschutz 
lich auf deren Lebenszeit und die darauf folgende Nacherinnerung 
beschränkt. Im Unterschied zu den Vor- und Familiennamen werden sie 
nicht von Geburt an getragen, sondern dem Individuum im Lauf seines 
Lebens von der Dorfgemeinschaft zuerkannt. 
Langlebiger sind demgegenüber die Hausnamen oder Sippschafts- 
namen, die sehr oft auch von individuellen Übernamen ausgehen; sie 
können durch ihre Bindung an das Stammhaus und durch ihre fortge- 
setzte Verwendung die Generationen leicht überdauern. 
Viele Übernamen zielen auf die Beschreibung beziehungsweise 
Charakterisierung der Person, wobei oft Aussehen, auffällige Eigen- 
schaften und Gewohnheiten, überhaupt Wesensart und Verhalten mass- 
gebend sind. Besonderheiten der Sprache oder der Herkunft, ferner die 
Tätigkeit, der Leumund und vieles andere mehr werden dabei herange- 
zogen. Nicht zu kurz kommen Humor, Spott und Schadenfreude. Was 
da zum Vorschein kommt, ist bunt und vielfältig — einmal harmlos, ein- 
mal unschicklich, dann wieder raffiniert oder einfältig, auch boshaft, 
wohlwollend, rühmend oder obszön. In manchen Bildungen springen 
durchaus scharfe Beobachtungsgabe und treffende Charakterisierung ins 
Auge, andere wieder zielen unter die Gürtellinie, können blossstellend, 
ja teils gröblich verletzend sein. 
Bei der Befragung der Auskunftspersonen in der Sammelphase ist 
die Frage nach den Benennungsmotiven natürlich wichtig. Oftmals ist in 
der Dorfgemeinschaft das Wissen um die Hintergründe einer Benen- 
nung noch lebendig. Dabei sind Tatsachenberichte und blosse Anekdo- 
ten nach Möglichkeit auseinanderzuhalten. Besondere Beachtung muss 
auch dem emotionalen Gehalt eines Namens, also seiner sozialen Funk- 
tion und Wirkung, geschenkt werden. 
Vieles sieht der Explorator oft auf Anhieb — meist aber ist er als 
Aussenstehender auf Erläuterungen angewiesen. Im Augenblick, da er 
seiner Gewährsperson gegenübersitzt und seine mündlichen Erhebun- 
gen macht, ist es allerdings nicht seine Aufgabe, zensierend einzugreifen. 
Vorerst gilt es einmal, das Gehörte unparteiisch und emotionslos zu 
notieren und in der Sammlung abzulegen. 
Solche Namen — bis Mai 2003 waren für ganz Liechtenstein über 
6200 Rufnamen sowie über 1400 Sippschaftsnamen erhoben worden — 
können aber keineswegs stets als harmlos oder gar willkommen gelten. 
Das ist offensichtlich, und das macht den Umgang mit ihnen für Aus- 
senstehende, auch für den an sich gewiss arglosen Forscher, dann und 
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