Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Martina Sochin D’Elia und Fabian Frommelt 
Ein schwieriges Problem in der von Rupert Quaderer erforschten Zeit 
nach dem Ersten Weltkrieg waren die Beziehungen zur Tschechoslowa- 
kei. Diese verweigerte die Anerkennung der liechtensteinischen Souve- 
ränität, nicht zuletzt, um den Besitz der Fürsten von Liechtenstein in die 
Bodenreform einbeziehen und enteignen zu können. Die gestörten 
diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren 2010 
Anlass für die Einsetzung der Liechtensteinisch-Tschechischen Histori- 
kerkommission unter dem Co-Vorsitz von Peter Geiger. An deren 
Arbeiten beteiligte sich auch Väclav Horcicka, der seit vielen Jahren 
immer wieder zu kurzen Forschungsaufenthalten am Liechtenstein- 
Institut zu Gast ist. Er bringt in seinem Beitrag «Die Bodenreform auf 
den Gütern der liechtensteinischen Primogenitur in der Tschechoslowa- 
kei (1918 bis 1938)» Licht in den genauen Ablauf der Bodenreform auf 
den liechtensteinischen Gütern und zeigt, dass das Haus Liechtenstein 
mehr Boden vor der Reform bewahren konnte, als es damals im Durch- 
schnitt der Fall war. 
Dan Michman war 2001 bis 2005 Mitglied der von Peter Geiger 
geleiteten Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter 
Weltkrieg. Ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der Kommission 
war der Umgang mit Vermögenswerten zur Zeit der NS-Herrschaft, ins- 
besondere die behauptete Verschiebung von Raubgut und NS-Vermögen 
nach Liechtenstein. Nicht zuletzt die Mitarbeit in der liechtensteinischen 
Historikerkommission veranlasste Dan Michman dazu, sich eingehend 
der Frage nach der wirtschaftlichen Verfolgung der Juden durch das 
Dritte Reich zu widmen. In seinem Beitrag «Economic Entjudung in 
Nazi Europe, 1933-1945: Its Place in the Overall Nazi Antisemitic 
Enterprise» zeichnet er die historiografische Beschäftigung mit dieser 
Frage nach und zeigt auf, dass die Enteignung und wirtschaftliche Aus- 
grenzung der Juden eine ganz eigene und zentrale Form der Verfolgung 
darstellte, welche die physische Vernichtung der Juden begleitete. 
Zu Urs Altermatt als damaligem Professor für Zeitgeschichte an 
der Universitit Freiburg i. Ue. ergab sich durch Peter Geigers Habilita- 
tion in Freiburg und seine dortige Tätigkeit als Privatdozent eine enge 
Verbindung. Als profunder Kenner der Geschichte der europäischen 
christlichdemokratischen Parteien gibt Urs Altermatt in seinem Beitrag 
«Die europäischen Christlichdemokraten, die Schweiz und Liechten- 
stein» einen Überblick über die Entwicklung dieser Parteienfamilie in 
Europa. Sein Versuch, die liechtensteinischen Parteien in den Kontext 
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