Volltext: Geschichte erforschen - Geschichte vermitteln

Wilfried Marxer 
nem Fall eine Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung auf- 
grund eines Referendums oder einer Gemeindeinitiative durchgeführt 
worden. 18 Abstimmungen resultierten aus Volksinitiativen, 13 Vorlagen 
wurden vom Landtag direkt dem Volk vorgelegt. Die Konsultativab- 
stimmungen über die Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1968, 
getrennt für Männer und Frauen, sind hingegen als Sonderfall zu 
betrachten.’ 
1919: Volksabstimmungen 
zu Mandatszahl und Wahlalter 
Die Volksabstimmungen von 1919 kamen aufgrund von Beschlüssen des 
Landtages zustande. Es ging um die Abänderung des Wahlrechts, dabei 
einerseits um die Herabsetzung des «Wahlfähigkeits- und Grossjährig- 
keitsalters» von 24 auf 21 Jahre - das Wahlrecht wurde nur den Männern 
zugestanden — sowie andererseits um die Erhöhung der Zahl der Land- 
tagsmandate von 15 auf 17. Beide Vorlagen wurden am 2. März 1919 
mit einem fast identischen Stimmenanteil von jeweils rund 55 Prozent 
abgelehnt.!® 
An der Zahl der Landtagsabgeordneten änderte sich in der Folge 
lange Zeit nichts mehr, wenngleich auch Jahrzehnte später weitere Vor- 
stösse unternommen wurden, auf die weiter unten noch eingegangen 
wird. Das Wahlalter wurde dagegen mit Einführung der neuen Verfas- 
sung von 1921" auf 21 Jahre gesenkt, ohne das Volk ein weiteres Mal zu 
befragen, denn über die Verfassung als Ganzes wurde keine Volksab- 
stimmung durchgeführt. Dies ist insofern bemerkenswert, als es ja 1919 
bereits in der Praxis Volksabstimmungen gegeben hatte. Im März 1921 
erfolgte im Übrigen eine weitere Volksabstimmung, allerdings nicht über 
eine Verfassungsfrage, sondern als Personalplebiszit über den weiteren 
  
15 Die nachfolgenden Abschnitte zu den Volksabstimmungen stützen sich unter ande- 
rem auch auf Ausführungen in der demnächst erscheinenden Monografie von Mar- 
xer, Direkte Demokratie (im Erscheinen), ohne in den Fussnoten jeweils Bezug da- 
rauf zu nehmen. Weitergehende Literaturhinweise finden sich ebenfalls dort. 
16 Quaderer-Vogt, Bewegte Zeiten, Bd. 2, S. 172-180; Vogt, 125 Jahre Landtag, S. 234; 
Amt für Statistik, T_10.2.01. 
17 Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 5. Oktober 1921, LGBl. 1921 Nr. 15. 
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