Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/421/
Franz Näscher 
hatte es eine zentrale Rolle gespielt. Das Kirchenbild war das grosse 
Anliegen des französischen Dominikaner-Theologen Yves Congar, dem 
wie seinem Mitbruder Marie-Dominique Chenu und dem Jesuiten 
Henri de Lubac als Repräsentanten der «Theologie nouvelle» 1950 der 
Lehrstuhl entzogen worden war. Johannes XXIII. hat sie zu Konzilsbe- 
ratern berufen! De Lubac wurde unter Johannes Paul II. 1983 sogar zum 
Kardinal ernannt. Das zweite Kapitel der Kirchenkonstitution ist über- 
schrieben mit «Das Volk Gottes»; dort heisst es: 
«Gott hat es gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von 
aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, son- 
dern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerken- 
nen und ihm in Heiligkeit dienen soll. So hat er sich das Volk Israel 
zum Eigenvolk erwählt und hat mit ihm einen Bund geschlossen 
und es Stufe für Stufe unterwiesen. Dies tat er, indem er sich und 
seinen Heilsratschluss in dessen Geschichte offenbarte und sich 
dieses Volk heiligte. Dies alles aber wurde zur Vorbereitung und 
zum Vorausbild jenes neuen und vollkommenen Bundes, der in 
Christus geschlossen, und der volleren Offenbarung, die durch das 
Wort Gottes selbst in seiner Fleischwerdung übermittelt werden 
sollte. [...] So ist denn dieses messianische Volk, obwohl es tatsäch- 
lich nicht alle Menschen umfasst und gar oft als kleine Herde 
erscheint, für das ganze Menschengeschlecht die unzerstörbare 
Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heils. Von Christus 
als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet, 
wird es von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und 
als Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Mt 5,13-16) in alle Welt 
gesandt.» (Nr. 9) 
Unter «Volk Gottes» wird hier nicht die Hierarchie im Gegensatz zu 
den Gläubigen verstanden, sondern die Kirche in ihrer Gesamtheit mit 
all ihren Gliedgruppen. Die Pyramide — zuoberst der Papst, dann die 
Bischöfe und Priester und ganz unten die Laien — ist als Bild für die Kir- 
che überholt. Für Johannes Feiner, Theologieprofessor am Priestersemi- 
nar in Chur und Konzilstheologe, war in den Vorlesungen vor allem das 
Kirchenbild ein Anliegen: In der Kirche befinden sich alle auf der glei- 
chen Ebene, allerdings mit hierarchischen Diensten und Aufgaben, im 
Mittelpunkt der Papst, umgeben von den einzelnen Ortskirchen, den 
Bistümern. 
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