Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/391/
Martina Sochin D’Elia 
bildung absolvieren wollte, war dementsprechend auf eine Bildungsein- 
richtung im Ausland angewiesen. Den Mädchen war eine gymnasiale 
Ausbildung in Liechtenstein selbst sogar bis 1968 verwehrt. 
Schon seit 1649 gab es im nahe gelegenen Feldkirch ein Jesuiten- 
gymnasium,'° ab 1854 zudem auch das Privatgymnasium Stella Matu- 
tina. Im Zeitraum von 1777 bis 1848 besuchten insgesamt 22 Schüler 
liechtensteinischer Herkunft das Jesuitengymnasium in Feldkirch, von 
1850 bis zur Jahrhundertwende dann 50.!! Ärzte und Landesangestellte 
schickten ihre Söhne gerne nach Feldkirch ans Jesuitengymnasium. So 
finden sich bekannte Namen in den Klassenlisten. Ein Sohn von Land- 
vogt Josef Schuppler beispielsweise besuchte das Gymnasium in Feld- 
kirch,!? ebenso wie Peter Kaiser während zwei Jahren Schüler in Feld- 
kirch war, bevor er ab 1810 das Gymnasium in Wien besuchte.!* Zusam- 
men mit Peter Kaiser waren auch Johann Michael Menzinger, späterer 
Landvogt,'* und Franz Josef Öhri, der als Reaktion auf Peter Kaiser 1848 
ebenfalls einen Verfassungsentwurf präsentierte,!* am Gymnasium in 
Feldkirch. Und auch Josef Peer, der ab 1920 in seiner Rolle als Landes- 
verweser eine Regierungsvorlage für die Verfassung von 1921 erarbei- 
tete,'° war in Feldkirch ans Gymnasium gegangen. Beliebt war die gym- 
nasiale Ausbildung in Feldkirch jedoch nicht nur bei den oberen Schich- 
ten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts scheinen zunehmend Eltern, deren 
Bildungshintergrund ein einfacherer war, die Bedeutung einer guten 
Ausbildung für zumindest einen ihrer Söhne — meistens den ältesten — 
erkannt zu haben. Ab 1850 wird die Liste von Buben, deren Väter eine 
handwerkliche oder eine landwirtschaftliche Tätigkeit ausübten, zuneh- 
mend länger. 
  
reiche Architektur und Wirtschaftswissenschaften (ohne Volkswirtschaftslehre). 
Siehe Bleyle, Universität Liechtenstein, in: HLFL, S. 969. 
10 Das Jesuitengymnasium löste die seit ca. 1400 bestehende Lateinschule ab. Seit dem 
15. Jahrhundert sind Studenten aus Vaduz-Schellenberg an der Lateinschule belegt. 
11 Bleyle, Gymnasium in Feldkirch, S. 81-89. Nicht alle davon schlossen das Gymna- 
sium zwingend mit der Matura ab. 
12 Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Wilhelm Franz Schuppler, 
der von 1823 bis 1827 Gymnasiast in Feldkirch war, ein Sohn von Josef Schuppler ist. 
13 Zu Peter Kaiser siehe Vogt, Peter Kaiser, in: HLFL, S. 416 —418. 
14 Burmeister, Johann Michael Menzinger, in: HLFL, S. 612-613. 
15 Steinacher, Franz Josef Öhri, in: HLFL, S. 674. 
16 Quaderer, Josef Peer, in: HLFL, S. 696697. 
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