Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/359/
Mario E Broggi 
Hecken und Bäumen eine beklemmende ökologische Monotonie. Vor 
bald 40 Jahren hielt der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute 
Pro Natura Schweiz) fest, dass im Mittelland im Vergleich zur Zeit nach 
dem Zweiten Weltkrieg nur mehr ein Prozent der Tagfalter-Populatio- 
nen anzutreffen sind. Die bunten Blumenwiesen mit Margerite, Wiesen- 
salbei und Glockenblume bestehen ebenfalls nur mehr auf ein bis zwei 
Prozent der Flächen im Vergleich zu 50 Jahren vorher. Dazu trägt auch 
ein gnadenloses Schnittregime bei. Dies führt zu Landschaften, die 
nichts Anderes mehr sind als «Produktionslandschaften». Man könnte 
auch von glatt gestrichenen «Botox»-Landschaften sprechen. Wird diese 
umweltschädigende, fast flächendeckende Intensiv-Grünlandwirtschaft 
von der breiten Öffentlichkeit toleriert? Es scheint zumindest so, als ob 
das Gelb der Löwenzahnblüten und des Hahnenfusses genüge. Als Kon- 
zession für eine ökologischere Landwirtschaft werden inzwischen 
naturnahe Ausgleichsflächen im Ausmass von sieben Prozent auf den 
Landwirtschaftsbetrieben verlangt. Sie erfüllen leider wegen der Stick- 
stoffverfrachtungen ihren Zweck kaum. Im Übrigen wurden bereits im 
Jahre 1989 in einer schweizerischen Nationalfondsstudie für diesen öko- 
logischen Ausgleich zwölf Prozent der Landwirtschaftsflächen gefor- 
dert. Die jetzige Agrarpolitik ist nicht nur ein liechtensteinisches 
Umweltproblem, denn eine europaweite Umweltüberprüfung der gülti- 
gen Landwirtschaftssubventionen ist überfällig. Eine mächtige Agrar- 
lobby mag dies bisher verhindern. Es ist offensichtlich so, dass mit dem 
Übergang von der bäuerlichen in eine postindustrielle Gesellschaft die 
emotionalen Wurzeln in unserer Gesellschaft zur Scholle noch nicht 
gekappt sind. Das umweltschädliche Wirken in der Agrarwirtschaft wird 
noch nicht ausreichend ausserhalb der Fachwelt erkannt. Das dürfte sich 
allmählich auch in Teilen der Landwirtschaft ändern, insbesondere in der 
Berglandwirtschaft und bei Kleinbauern, und wird ausserhalb der Ver- 
bandsstrukturen zunehmend kritischer gesehen. Liechtenstein mit sei- 
nen überschaubaren Rahmenbedingungen hätte sich als wegweisendes 
Modell für eine adaptierte, ökologisch verträgliche Landwirtschaftspoli- 
tik betätigen können. Das Gegenteil ist bis heute der Fall. 
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