Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/203/
Emanuel Schädler 
VLAG nicht direkt nachweisbar ist, so sind bei dessen Ausgestaltung 
doch gewisse Gegentendenzen mehr als augenfällig, die im Rückblick so 
anmuten, als wären sie eine gezielte konzeptionelle und strukturelle 
Umorientierung gewesen. Man bedenke beispielsweise: Anstelle des 
Periodikums einer Zeitschrift, die eine Regelmässigkeit des Erscheinens 
bedingt, wurde ein Verlag eingerichtet, dessen Veröffentlichungen zeit- 
lich ungebunden waren. Sooft ein Erzeugnis der Veröffentlichung wert 
erschien, konnte man es verlegen; blieb ein solches Erzeugnis über län- 
gere Zeit aus, konnte auch die Verlagstätigkeit ruhen, ohne irgendwelche 
Erwartungen des Publikums zu enttäuschen. Anstelle eines Herausge- 
ber-/Redaktoren-Teams wurde der Verlag als Ein-Mann-Verlag konzi- 
piert und dessen Führung in der Verlagsleitung beim Verlagsleiter gera- 
dezu ad personam konzentriert, was einfaches, direktes und effizientes 
Handeln garantierte. (Dies war allerdings zugleich ein Risiko. Denn es 
band das Know-how an die Person des Verlagsleiters, sodass allzu häu- 
fige Wechsel in diesem Posten für den Verlag besonders schädlich wirken 
sollten — was glücklicherweise in der Folge aber ausblieb.) Anstelle einer 
Zeitschrift, die sich aktuellen Debatten widmet und sich womöglich 
aktiv-polemisch daran beteiligt, sollte der Verlag ein eher atemporales 
Momentum ausstrahlen. Anstatt mit Artikeln sollte er sich mit grösseren 
Sammelbänden oder mit Monografien hervortun, die allein schon von 
ihrem Erscheinungsbild her für wissenschaftliche Distanz bürgten und 
für eine Beobachter- statt einer Teilnehmerperspektive standen. Und 
anstelle von nicht-zweckgebundenen finanziellen Förderungen, welche 
den Sponsoren erfahrungsgemäss nur sehr schwer zu entlocken sind, rie- 
fen derartige grössere Publikationen eher nach projektbezogenen Spen- 
den, die gemeinhin bereitwilliger erfolgen, weil ihre Verwendung durch 
die Zweckbindung abgesichert ist. (Als diesbezüglichen Sicherungsme- 
chanismus auferlegte die Generalversammlung der LAG anlässlich der 
Verlagsgründung dem Verlagsleiter zusätzlich, dass die Finanzierung 
jeder Publikation zum Voraus gesichert sein muss, ehe die Drucklegung 
angegangen wird.“ Dieser Sicherungsmechanismus ist bis heute erhalten 
geblieben.) 
Ob die konzeptionelle und strukturelle Ausgestaltung des VLAG 
1972 eine wie auch immer geartete Einfluss- oder Reflexwirkung des 
  
40 Broggi/Gantner/Marxer / Wille, S. 25 Fn. 10. 
202
        

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