Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/165/
Fabian Frommelt 
IV. Liechtenstein als Sonderfall: Der Blick von aussen 
Die Aufmerksamkeit auswärtiger Autoren zog Liechtenstein insbeson- 
dere auf sich, weil es als einziges ehemaliges Glied des Alten Reichs bis 
heute als souveräner Kleinstaat fortbesteht, als «Relikt des Heiligen 
Römischen Reiches» und als «Alternative zum «Normalfall» der Natio- 
nalstaatsentwicklung».“ 
Zu den ersten Ausländern, die sich mit der liechtensteinischen Lan- 
desgeschichte befassten, zählte der Franzose Pierre Raton (1921-2013). 
Unter dem Titel «De la vassalit& ä l’independance» fasste er die Ent- 
wicklung der Jahre um 1806 zusammen und warf die 1987 von Georg 
Schmidt wieder aufgenommene Frage auf, ob Artikel 7 der Rheinbund- 
akte, der mit der Möglichkeit des Regierungsverzichts zugunsten eines 
Sohnes die liechtensteinische Rheinbundmitgliedschaft erst ermöglichte, 
«mn’a pas €t€ redige a son [Johann I.] intention».® 
Mehrfach beschäftigte sich der renommierte Tübinger Professor 
Volker Press (1939-1993) mit Liechtenstein. Auch er zeigte sich 
«erstaunt», dass Liechtenstein nicht wie die meisten anderen reichsun- 
mittelbaren Kleinterritorien des deutschen Südwestens von Napoleon 
mediatisiert wurde, sondern durch die Aufnahme in den Rheinbund eine 
«Sonderstellung» erlangte. Wie Georg Malin vermutete Press dahinter 
neben der Sympathie Napoleons für Johann I. auch französische Eigen- 
interessen: Liechtenstein könne als «kleines Gegengewicht gegen Bay- 
ern», als «Faustpfand für seine [Napoleons] Beziehungen zu Österreich» 
oder als «ständiges Druckmittel» auf Johann I. als «einen der führenden 
österreichischen Militärs und Politiker» erhalten worden sein. Bonapar- 
te mochte den Fürsten als «Draht zum Wiener Hof» respektive als «Ver- 
trauensperson in Wien» betrachtet haben, «mit dessen Hilfe er dauern- 
den Einfluß zu gewinnen und zu behaupten gedachte» — klären lasse sich 
der Vorgang ohne neue Quellenfunde jedoch nicht.“ 
64 Mazohl-Wallnig (Anm. 21), 5. 7. 
65 Pierre Raton, Les institutions de la Principaut€ de Liechtenstein, Paris 1949, S. 28 
(deutsche Übersetzung unter dem Titel «Liechtenstein. Staat und Geschichte», Va- 
duz 1969). 
66 Volker Press, Das Fürstentum Liechtenstein im Rheinbund und im Deutschen Bund 
(1806-1866), in: Liechtenstein in Europa, LPS 10, Vaduz 1984, S. 45-106, hier 
S. 56 f.; Ders., Das Haus Liechtenstein in der europäischen Geschichte, in: Volker 
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