Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
58
Erscheinungsjahr:
2016
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000397673/150/
Souveränität zwischen Rheinbund und Wiener Kongress 
ben» habe. Die damit verbundene Erlangung der Souveränität vermerkte 
Helbert vorerst nicht — wichtig waren für ihn der erneute Ausbruch des 
Krieges und die mit der Rheinbundmitgliedschaft verknüpfte Pflicht zur 
Truppenstellung und Kontributionszahlung.‘ 
Erst nach den spätabsolutistischen Reformen Fürst Johanns I. 
(1760—1836)° stellte Helbert 1809 fest: «Durch die Sufrainedet [Souverä- 
nität] des Landfürsten sollen iezt alle alte Verträge, Lands Breüch und 
Rechte auf gehoben sein». Die Souveränität galt ihm als rein landes- 
herrliche Qualität, die dem Fürsten Hand bot, die während des Alten 
Reichs bestandenen ständisch-landschaftlichen und kommunalen Rechte 
aufzuheben.* Dass die Souveränität in weiten Kreisen der Bevölkerung 
nicht als etwas mit dem Land verbundenes Eigenes, Schützenswertes 
wahrgenommen wurde, zeigt auch die Bereitschaft, sie schon 1809 durch 
den erwogenen Anschluss an die Vorarlberger Aufständischen aufs Spiel 
zu setzen.? 
Ist die kritische Haltung gegenüber den innen- und aussenpoliti- 
schen Neuerungen der Jahre nach 1806 bei Helbert mehr zwischen den 
Zeilen herauszulesen, äusserte sich der Amtsbote und Oberamtsschrei- 
ber Johann Rheinberger (1764-1828) aus Vaduz in seinem um 1815 
abgefassten «Politischen Tagebuch» expliziter: Die Erhebung des Fürs- 
tentums «zum souverainen Staate» durch Napoleon 1806 ebnete in sei- 
ner Sicht den Weg zum «lezten Schlag für [die] noch gebliebenen Frei- 
  
5 Chronik des Johann Georg Helbert aus Eschen, Transkription, Hrsg.: Gemeinde 
Eschen, Liechtensteinisches Landesmuseum, Redaktion: Arthur Brunhart, Vaduz 
2006, S. 269 f., 279. Vgl. Arthur Brunhart, Johann Georg Helbert und seine Chro- 
nik, in: ebd., S. 297-310. 
6 Vgl. zu ihm Herbert Haupt, «Liechtenstein, Johann I. von», in: Historisches Lexi- 
kon des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, Zürich 2013 (im Folgenden HLFL), 
Bd. 1, 5. 540 f. (mit weiterer Literatur). 
7 Chronik (Anm. 5), S. 279. 
8 Durch die Dienstinstruktion für Landvogt Josef Schuppler vom 7. Oktober 1808 
wurden die Landschaften Vaduz und Schellenberg mit ihren ständischen Einrich- 
tungen wie Landammann und Gericht und ihren kommunalen Selbstverwaltungs- 
rechten aufgehoben. Vgl. Malin (Anm. 1), S. 31-50; Herbert Wille, Die liechtenstei- 
nische Staatsordnung. Verfassungsgeschichtliche Grundlagen und oberste Organe, 
LPS 57, Schaan 2015, S. 45-51. 
9 Vgl. Malin (Anm. 1), S. 129-145; Fabian Frommelt, 1809 — Aufstand in Liechten- 
stein?, in: Hannes Liener, Andreas Rudigier, Christof Thöny (Hrsg.), Zeit des Um- 
bruchs. Westösterreich, Liechtenstein und die Ostschweiz im Jahr 1809, Götzis 
2010, S. 65-82. 
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