mit den politischen Spielregeln vertraut, lernt den Parteiapparat und die Parteienlandschaft 
mit seinen wichtigsten Spielern und Gegenspielern besser kennen und verdient sich ihre 
Sporen ab, indem sie sich mit politischen Schwerpunktthemen auseinandersetzt und Par- 
teilinien mitformuliert. Der Einsatz für die Partei erfolgt nicht uneigennützig, viel mehr ist es 
ein Tauschhandel ohne Verlierer. Für eine erfolgreiche Kandidatur bedarf es nicht zuletzt 
der vollen Unterstützung der Partei. Diese ist ihr auch in der Landtagsfraktion sicher. 
„[...] [lch habe immer für meine Sachen mit meinen Argumenten gekämpft und 
schaffe dann auch, meine Fraktion dahinter zu bringen, dass sie, wenn ich will 
den Finger auch noch hoch tun. Also ich denke, es ist ... schon eine Art von Ar- 
gumentieren, die wir alle miteinander jetzt eigentlich haben, ist im Moment ein 
schönes Team“ (Interview Y: 562-569). 
Das Demokratieverständnis, das sich mit dieser Aussage zeigt, ist problematisch. Als 
Fraktionssprecherin weiss sie die Fraktion hinter sich. Der hieraus entstehende Parteige- 
horsam ist für sie eine logische Folge der geteilten Erlebnisse, die die eingenommene Par- 
teiposition begründen und stärken. Sie vergleicht diesen Vorgang mit gelebter Familienso- 
lidarität. „Es ist wie in einer Familie, wenn man gegen jemand anderes, also da tut man 
sich, ... Jeder Freundeskreis, man rottet sich dann zusammen und was aber nicht unbe- 
dingt negativ ist, sondern einfach auch das Team das sich dann bildet" (Interview Y: 583- 
588). Politik ist laut Y: Wir gegen die anderen. Eine Kompromissfindung mit anderen politi- 
schen Parteien wird nicht angestrebt. Ziel ist es als Partei eigene Positionen durchzuset- 
zen, dies ist mit einer geschlossen auftretenden Fraktion am besten zu realisieren. Jede 
Meinungsabweichung schwácht die Parteilinie. Problematisch an dieser Haltung ist das 
diktatorische Element, das Y mit ihrem Vorsitz einbringt. Sie dominiert die Partei, sie ist 
Partei. Fraglich bleibt, ob man tatsáchlich von einem Team sprechen kann, wenn schlus- 
sendlich die Position der Fraktionssprecherin Gesetz ist. Die hier beschriebene Dominanz 
ist nicht zuletzt auch eine Strategie sich in dieser Elite zu behaupten. Sie wird gehórt, 
„man ‚lost‘ auch immer, was ich sage, wenn ich etwas sage" (Interview Y: 593-594), sie 
eint die Fraktion und führt sie an. Doch wie gelingt ihr das? Das hohe Mass an Selbstbe- 
stimmtheit und Zielgerichtetheit, das sie auch in ihrer beruflichen Laufbahn bewiesen hat, 
sind wichtige Grundvoraussetzungen. Ihre sprachliche Ausdrucksweise ist volksnah, ge- 
spickt mit Anglizismen und Fachbegriffen, denen ein Hauch Überlegenheit anhaftet. , [...] 
[D]as Standing in der Politik als Frau, ist natürlich sehr viel einfacher mit einer guten Aus- 
bildung" (Interview Y: 321-323) (weitere Beispiele: Interview Y: 814-817, 851-857). Die 
scheinbar klare und direkte Artikulation, wie sie von Y angestrebt wird, ist genauer be- 
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