schen Strukturen, die auch in der Dominanz einzelner Parteien und deren Clans abgebil- 
det ist. Auf Anhieb erhielt sie 47% der Stimmen. Mit diesem Glanzresultat hatte niemand 
im Entferntesten gerechnet. Durch dieses Resultat fühlte sie sich bestärkt und zugleich 
auch verpflichtet, sich weiter für die Anliegen der Menschen, die sie unterstützt hatten zu 
engagieren. Während des Wahlkampfes fand eine intensive Auseinandersetzung mit den 
verschiedenen anstehenden politischen Sachfragen dieser Gemeinde statt, die für X iden- 
titátsstiftend war (Interview X: 171-192, 197-203). ,Aber nach diesen sechs Wochen bin 
ich mehr Liechtensteinerin gewesen als ... ich jemals hátte sein kónnen. ... Die Identifikati- 
on ist so massiv gewesen, ... dass ich nicht einfach habe sagen kónnen, ja jetzt geht mich 
Politik nichts mehr an* (Interview X: 197-203). In der Folge bewarb sie sich für den Schul- 
rat und den Jugendrat, deren Mitglied sie auch war, bevor sie dann 2005 als Mitglied der 
„Freien Liste“ (FL) für den Landtag erfolgreich kandidierte. 
In dieser Landtagsmandatsperiode 2005-2009 gelang es der FL erstmals drei Sitze zu er- 
obern. Bisher waren sie mit nur einem Abgeordneten im Parlament vertreten. Die beiden 
Grossparteien teilten sich die restlichen Mandate. Derzeit hält die VU zehn, die FBP zwölf 
Sitze inne. Befragt auf die Rolle der FL, zeigt sich die Abgeordnete begeistert von der 
momentanen Konstellation. Sie vertritt mit ihren Fraktionsmitgliedern eine Oppositionspoli- 
tik, die sich zum Ziel gesetzt hat, Diskussionen anzuregen, Themen zu setzen und sich 
aktiv im politischen Geschehen einzubringen (Interview X: 762-773). War es vor 2005 der 
jeweiligen Mehrheitspartei möglich durch Linientreue sämtliche Vorlagen kompromisslos 
durchzusetzen, sind sie durch das jetzige Kräfteverhältnis auf die Stimmen anderer Frakti- 
onen angewiesen. Das Einbringen anderer Sichtweisen ist für die stimmenschwächste 
Partei ein zentrales Anliegen. Politik soll ein dynamischer Prozess sein, bei dem sich die 
einzelnen Abgeordneten auf einander zu bewegen. „Politik hat auch vielfach etwas damit 
zu tun, sich selber auch wieder immer zu hinterfragen. Seine Positionen, die man hat ... 
gegebenenfalls zu korrigieren und neu zu finden“ (Interview X: 1093-1097). Bereits in an- 
deren Situationen hat sie gezeigt, dass sie sich aktiv am Geschehen beteiligt. Sei es durch 
die Vorsteherkandidatur oder die zahlreichen Vorstösse im Landtag. 
„Ich werde von mir aus aktiv. Ich warte nicht passiv darauf, dass ich gefragt 
werde. Und das dünkt mich etwas ganz Wichtiges. Vielfach wartet man darauf, 
dass etwas passiert. Aber wenn ich wirklich Veränderung herbeiführen will, 
dann muss ich aktiv werden. Das ist auch ... in der Landtagsarbeit ganz klar zu 
spüren. Ich kann passiv immer schauen, was bringt mir die Regierung und dann 
schön brav meinen Kommentar dazu abgeben. Dann werde ich immer nur auf 
die Regierung reagieren und dann kommen nicht unbedingt die Themen, die ich 
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