Der Anstoss zur zweiten Abstimmung vom 9./11. 2. 1973 ging von der „Arbeitsgruppe für 
die Frau“ aus, die sich 1971 gebildet hatte, mit dem Ziel dem Frauenstimmrecht zum 
Durchbruch zu verhelfen. Die Gruppe führte im Vorfeld etliche Gespräche mit Parteipräsi- 
denten und Vertretern der Parteijugend. Die VU und die FBP rang sich zu einem gemein- 
samen Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts ein, „der am 18. Dezember [1972] 
diskussionslos den Landtag passierte“ (Marxer 1994: 187). Entgegen dem Wunsch der 
Arbeitsgruppe wurde die Vorlage zusätzlich dem Volk vorgelegt. Mit 1675 (44.1%) Ja zu 
2126 (55.9) Nein und einer Stimmbeteiligung von 86.01% wurde die Vorlage diesmal deut- 
lich abgelehnt (Marxer 1994: 178). 
Die neuerliche Niederlage kommentierte Veronika Marxer wie folgt: „Man habe es als 
,ZWángerei" empfunden, nach knapp zwei Jahren zur selben Vorlage ein zweites Mal auf- 
geboten zu werden und auf ,Druck von oben" habe der ,Liechtensteiner* schon immer bo- 
ckig reagiert" (Marxer 1994: 187-188). 
Wie lásst sich jedoch das zweimalige Scheitern der Frauenstimmrechtsvorlage erkláren? 
Veronika Marxer nennt in ihrer Analyse fünf wichtige Gründe: Die sozioókonomischen Ver- 
háltnisse in Liechtenstein, die bis in die 40er Jahre stark agrarisch-lándlichen Charakter 
hatten, der Rückstand der Frauen im Bildungsbereich, die konservative Rolle der katholi- 
schen Kirche, die Konkurrenz zwischen den Parteien und die Rolle der Ausländerinnen 
und Ausländer“ (Marxer 2004: 6). 
Auf politischer Ebene wurde nach der zweiten Abstimmungsniederlage der Weg der klei- 
nen Schritte eingeschlagen. Mit einer Verfassungsänderung wurde 1976 den Gemeinden 
ermöglicht, das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene einzuführen. Nach und nach wur- 
de dieses auf kommunaler Ebene eingeführt. 
Um das weitaus emotionalste Argument zu entkräften, wurde 1974 eine weitere Gesetzes- 
änderung beschlossen, die ehemaligen Liechtensteinerinnen die Rückbürgerung innerhalb 
einer Frist von fünf Jahren ermöglichte (Marxer 2004: 7). 
Auf Initiative von Regina Marxer und Barbara Rheinberger schlossen sich im Mai 1981 ei- 
ne Hand voll Frauen zur Aktion Dornröschen zusammen. Sie waren entschlossen, das 
Heft nun selber in die Hand zu nehmen und starteten sogleich mit einer Aufrüttelungskam- 
pagne. „Aufgewacht ... Politische Mündigkeit wird einem nicht im Schlaf gegeben“ (Marxer 
1994: 188), so die Plakatserie. Das Echo liess nicht lange auf sich warten. Das selbstbe- 
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