rechtigung, wenn die Begriffe der Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsgleich- 
heit in die Waagschale geworfen werden“ (Marxer 1994: 171). 
Marxer vermutet in dieser Aussage jedoch ein wahltaktisches Manöver und stellt fest, dass 
bis Mitte der 60er Jahre diese Auseinandersetzung in keiner liechtensteinischen Tageszei- 
tung weitergeführt wurde. 
Die gesellschaftspolitischen Umwälzungen in den 60er Jahren, die Öffnung der katholi- 
schen Kirche im Il. Vatikanischen Konzil, die Jugend- und Studentenunruhen sowie die 
neue Frauenbewegung hinterliessen auch in Liechtenstein ihre Spuren. Der geplante 
Neubau des Liechtensteinischen Gymnasiums und damit die Forderung nach gleichen 
Bildungschancen für Frauen und Máànner, entfachte 12. November 1965 eine heftige De- 
batte um die politische Gleichberechtigung der Frau. Bis dato war das Kollegium Maria- 
num in Vaduz als reines Knabengymnasium geführt worden. Mádchen mussten ins be- 
nachbarte Ausland ins Gymnasium. Roman Gassner, Landtagsabgeordneter der VU bean- 
tragte eine Probeabstimmung, damit sich die Frauen selber zum Frauenstimmrecht äus- 
sern kónnten. Er war der Ansicht, dass damit nicht bis zur Einführung des Frauenstimm- 
rechts in der Schweiz gewartet werden müsse. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Land- 
tagsabgeordnete Ernst Büchel FBP (Fortschrittliche Bürgerpartei) beantragte daraufhin, 
die Prüfung des Frauenstimmrechts und deren rechtlichen Folgen durch die Regierung. 
Mit 13 zu 1 Stimme wurde diesem Antrag zugestimmt (Marxer 2004: 5). 
Die Schweiz geriet durch ihren Beitritt in den Europarat 1963 zusehends in internationale 
Kritik. Auch Liechtenstein bemühte sich um internationalen Anschluss. Im Oktober 1969 
fand der erste offizielle Besuch des liechtensteinischen Regierungschefs beim Europarat 
in Strassburg statt. Einen Monat spáter bildete sich die erste Organisation in Liechtenstein, 
die sich das Frauenstimmrecht zum Ziel setzte. Betrachtet man die Landtagsdebatten und 
die Zeitungsbeitráge dieser Zeit, fállt auf, dass sich Liechtenstein stark an die Schweiz an- 
gelehnt und nicht ernsthaft in Betracht gezogen hat, den ersten Schritt in der politischen 
Gleichstellung von Mann und Frau zu machen (Marxer 1994: 172). 
1968 legte die Regierung den vom Landtag geforderten Bericht zur Einführung des Frau- 
enstimmrechts vor, der sich eindeutig für eine Einführung des Frauenstimmrechts aus- 
sprach. Zentrale Aspekte waren die demokratische Idee und die daraus resultierende logi- 
sche Konsequenz, die Frauen mit einzubeziehen und das Prinzip der Rechtsgleichheit, als 
Grundpfeiler des Staates. Weiter wies der Bericht darauf hin, dass der Beitritt in die Euro- 
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