bekennen sich zum Fürstenhaus und zur Monarchie, sie stehen beide auf der Grundlage 
der Demokratie und treten für den sozialen Fortschritt und den Schutz der Umwelt ein“ 
(Waschkuhn 1994: 264). Die Freie Liste gewinnt zwar mehr und mehr an Einfluss, die poli- 
tische Ausrichtung der anderen Parteien blieb jedoch bisher davon unberührt. 
3.4. Der lange Weg der Frau in die Politik 
Die zu Zeiten der Aufklärung und der Französischen Revolution entstandene Emanzipati- 
onsbewegung feierte Ende des 19. Jahrhunderts seine ersten Erfolge. „Zwischen 1869 
und 1914 erkämpften sich die Frauen in mehreren amerikanischen Bundesstaaten, 1893 
in Neuseeland, 1902 in Australien, 1906 in Finnland und 1913 in Norwegen das Recht auf 
politische Mitbestimmung“ (Marxer 1994: 169). Das Frauenstimmrecht wurde in Deutsch- 
land und Österreich 1918 eingeführt und war auch in der Schweiz ein rege diskutiertes 
Thema. Zwischen 1920 und 1921 fanden sechs kantonale Abstimmungen über die Einfüh- 
rung des Frauenstimmrechts statt, die jedoch alle deutlich scheiterten (Linder 1999: 60). In 
Liechtenstein fand am 2. März 1919 die erste Volksabstimmung überhaupt statt. Im Liech- 
tensteiner Volksblatt vom 11. Juli 1914 verwies die FBP die Volkspartei (spätere VU) auf 
deren demokratischen Anspruch und argumentierte, wenn man bereits 21 jáhrige Bur- 
schen für wahlfáhig einschátze, kónne man im gleichen Zug das Frauenstimmrecht einfüh- 
ren. Beides betrachteten sie für die kleinen Verháltnisse als unangemessen (Marxer 1994: 
170). Die Demokratisierung erfolgte in Liechtenstein zu einem relativ spáten Zeitpunkt und 
weist gewisse emanzipatorische Züge auf. Der Wandel der konstitutionellen Monarchie in 
eine dualistische Staatsform erforderte auch ein neues Selbstverstándnis, das über Jahre 
reifen musste, um ein in einem ausgewogenen politischen Kräfteverhältnis zu münden. 
Auf Parteiebene kann 1957 die erste politische Verlautbarung zum Frauenstimmrecht 
ausgemacht werden. Der gescháftsführende Präsident der VU (Vaterlándische Union), Ivo 
Beck erwáhnte in seiner programmatischen Ansprache zu den Landtagswahlen vom 1. 
September 1957 unter anderem: 
,Die in der Schweiz derzeit akute Frage über die Einführung des Frauenstimm- 
und Wahlrechts wird vielleicht auch eines Tages an den liechtensteinischen 
Landtag herantreten, wenn es in der Schweiz Gesetz wird, und umso mehr, da 
Liechtenstein bis heute nebst der Schweiz der einzige europäische Staat ist, 
der das Frauenstimmrecht nicht kennt, andererseits aber auch in Liechtenstein 
die Frauen immer mehr dem häuslichen Herd entsagen und in den aktiven 
Wirtschaftsprozess einbezogen werden. Das Für und Wider hinsichtlich des 
Frauenstimmrechts muss reiflich überlegt werden und hat sicher dann seine Be- 
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