Vergleich Dachstiftung segmentierte Stiftung 
Mit der fortschreitenden Zivilisation der Menschheit entwickelte sich auch die Idee der Stiftung wei- 
ter. Dies führte schliesslich dazu, dass das erste deutschsprachige Stiftungsrecht im Jahr 1835 im Kan- 
ton Zürich kodifiziert wurde. Auch weitere Kantone führten entsprechende Bestimmungen ein? Nach 
der Entstehung des schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848 wurde auch eine Vereinheitlichung 
der Rechtsnormen angestrebt. Der Berner Professor Eugen Huber wurde 1892 mit der Aufgabe be- 
traut, einen Entwurf für ein gesamtschweizerisches Zivilgesetzbuch zu erarbeiten. Die Urfassung des 
darin enthaltenen Personenrechts wurde bereits 1886 fertiggestellt. Da die Gesetzgebung des Privat- 
rechts bislang der kantonalen Zuständigkeit unterlag, wurde die verfassungsrechtliche Grundlage für 
die Schaffung eines einheitlichen Zivilrechts erst mit der Revision der Bundesverfassung im Jahre 
1898 möglich. 
Nach diversen Änderungen wurde der Gesetzgebungsprozess schliesslich mit der einstimmigen Ver- 
abschiedung des Zivilgesetzes im Dezember 1907 beendet und nachdem das Referendum nicht ergnf- 
fen wurde, trat die Urfassung des heutigen schweizerischen Stiftungsgesetzes als Teil des Zivilgesetz- 
buches am 1. Januar 1912 in Kraft.* Einige Jahre spáter wurden entsprechende Gesetze zum Stiftungs- 
recht auch in Liechtenstein erlassen. Beide Staaten haben seither eine lange Tradition als Orte für Stif- 
tungserrichtungen und verfügen über ein hoch entwickeltes Stiftungswesen." Gerade deshalb entstan- 
den und entstehen in diesem Bereich immer wieder fortschrittliche Gedanken zu Verbesserungen oder 
Anpassungen, die nicht zuletzt auch durch gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftlichen Weiter- 
entwicklungen begründet sind. 
Die vorliegende Arbeit bescháftigt sich mit zwei Gestaltungsformen von Stiftungen in beiden Rechts- 
ordnungen. Diese kónnen als Ergebnis solcher Weiterentwicklungen angesehen werden, da ihre Mo- 
delle auf dem klassischen Stiftungsmodell beruhen. Zum einen ist dies die Dachstiftung in der 
Schweiz und zum anderen ist es die segmentierte Stiftung in Liechtenstein. Obwohl das Konzept der 
Dachstiftung nicht neu ist, wurde der Gedanke, sie zur Effizienzsteigerung im Stiftungssektor zu nut- 
zen, erst im Rahmen der Stiftungsrechtsrevision in der Schweiz im Jahr 2008 entwickelt Die stif- 
tungsrechtlichen Bestimmungen des Fürstentums Liechtenstein wurden im Jahr 2009 umfassend über- 
arbeitet? Zusátzlich unterliegt die segmentierte Stiftung auch noch den relativ neuen Regelungen der 
  
5 Purtschert/von Schnurbein/Beccarelli, Gemeinnützige Stiftungen 94. 
5 Büchler in Büchler (Hrsg) Schweizerisches Zivilgesetzbuch und Nebenerlasse (2016)? 13. 
? Schneider, Der Mythos Liechtensteinische Stiftung — Ein Rechtsvergleich zur Schweizerischen Stiftung, in Egger/ Helmig/ 
Purtschert (Hrsg), Stiftung und Gesellschaft (2006) 172 f. 
8 Burla, Dachstiftungen und andere Kooperationsmóglichkeiten, in von Schnurbein/Egger (Hrsg), Innovation statt Stagnation 
(2013) 119. 
? Gesetz vom 7. November 2014 über die Abánderung des Personen- und Gesellschaftsrechts LGBl 2014/362.
        

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