Vergleich Dachstiftung segmentierte Stiftung 
3. Historie und Bedeutung des Stiftungsrechts in Liechtenstein 
Das Fürstentum Liechtenstein wurde im Jahr 1806 erstmals als souveräner Staat im damaligen Rhein- 
bund anerkannt. Seinerzeit führte der Fürst von Liechtenstein die Geschicke des Landes von seinem 
Herrschaftssitz in Wien. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Liechtenstein im Jahr 1852 mit 
dem Kaiserreich Osterreich-Ungarn einen ersten Zollvertrag abschloss." Das Ende der Donaumonar- 
chie infolge des ersten Weltkrieges und die damit einhergehende wirtschaftliche Destabilisierung Ós- 
terreich-Ungarns hatte auch in Liechtenstein eine erhebliche Schwáchung der Ókonomie zur Folge. 
Die ósterreichische Kronenwáhrung, die aufgrund des Zollvertrages die offizielle Wahrung in Liech- 
tenstein war, erlebte ein schwere Inflation und führte auch im Fürstentum zum Ausfall wichtiger Ein- 
nahmen aus Industrie, Handel und Tourismus. Aufgrund dieser Entwicklungen kündigte das Fürsten- 
tum Liechtenstein den Vertrag im Jahr 1919.28 
In der Folge verstärkte Liechtenstein seine bilateralen Beziehungen zur Schweiz und beide Staaten 
schlossen am 29. März 1923 den Vertrag über den Anschluss des Fürstentums Liechtenstein an das 
schweizerische Zollgebiet ab. Dieser Zollvertrag und die damit verbundene Ausrichtung zur Schweiz 
ermöglichte es dem Land Liechtenstein nicht nur den Zweiten Weltkrieg weitestgehend unversehrt zu 
überstehen, sondern auch die Grundlage für eine prosperierende und erfolgreiche Entwicklung der 
Wirtschaft zu schaffen.” Nicht verwunderlich ist daher, dass sich die Urheber des Liechtensteinischen 
Personen- und Gesellschaftsrechts von 1926, Wilhelm Beck und Emil Beck, unter anderem auch bei 
der Ausgestaltung der stiftungsrechtlichen Bestimmungen am schweizerischen Zivilgesetzbuch, wel- 
ches zuvor im Jahr 1912 in Kraft getreten war, als Rezeptionsvorlage bedienten.° Die Gesetzesredak- 
toren verfolgten mit der Schaffung des PGR primár das Ziel, die wirtschaftlich sehr schlechte Lage des 
Landes Liechtenstein zu verbessern. So sollten durch die Schaffung eines móglichst liberalen und 
flexiblen Gesellschaftsrechtes, auslándisches Kapital und Investoren angezogen werden. Ausserdem 
sollten die Attraktivität des Standortes und die Wettbewerbsfáhigkeit gegenüber fremden Rechtsord- 
nungen gesteigert werden.‘ Die Historie zeigt, dass diese Bestrebungen erfolgreich waren und sich das 
Fürstentum seit der Einführung des Gesetzes zum populären Ort für die Errichtung von Verbandsper- 
sonen entwickelte. 
  
27 Marxer, Das Parteiensystem Liechtensteins, in Niedermayer/Stös/Haas (Hrsg), Die Parteiensysteme Westeuropas (2006) 
299 f. 
28 Eberle/Kranz, Fürst und Volk http://www. fuerstundvolk li/fuv/fuv.do?site=421173326f221000996d610c1957690b (abge- 
fragt am 17.03.2016). 
29 Haas, Das Fürstentum Liechtenstein in den internationalen Beziehungen (2016) 46. 
30 Schneider, Mythos Liechtensteinische Stiftung 173. 
?! Berger, Rezeption im liechtensteinischen Privatrecht unter besonderer Berücksichtigung des ABGB? (2001) 62.
        

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