5. MEILENSTEINE DER LIECHTENSTEINISCHEN SCHULENTWICKLUNG SEIT 1970 
Die folgenden — zeitgeschichtlichen — Betrachtungen beziehen sich auf den Zeitraum, vom 
Erlass des heutigen Schulgesetzes (1971) bis in die Gegenwart. Es ist — wie vorangehend 
diskutiert — gleichzeitig jener Zeitraum, in dem sich ,Schulentwicklung" im deutschsprachigen 
Raum als eigener Forschungszweig der Bildungswissenschaft etabliert hat und heute auf 
allen Ebenen des Schulbetriebs zu einem selbstverstándlichen Arbeitsbegriff geworden ist. 
Dargestellt werden soll die Entwicklung des modernen liechtensteinischen Schulwesens — 
und wie sich Ergebnisse und Trends der Schulentwicklungsforschung darin erkennen lassen. 
Im Hinblick auf wechselseitige Bedingungsfaktoren zwischen Schulentwicklung und Berufs- 
zufriedenheit sollen dabei wieder spezifisch liechtensteinische Faktoren aufgezeigt werden; 
dazu gehört insbesondere das Milizsystem des Kleinstaates!?9, welches sich im Schulbereich 
traditionell in Kurzen Wegen zu Verwaltung und Politik und einem hohen Partizipationsan- 
spruch der Lehrerlnnenschaft niederschlágt'?". Dies gilt insbesondere für im Folgenden be- 
trachtete „Meilensteine“ der liechtensteinischen Schulentwicklung — wie die Entstehung des 
Schulgesetzes in den 70er-Jahren, das Projekt , Schule wohin?" in den 80ern, der Ersatz der 
Ziffernnoten mit dem Projekt , Schülerbeurteilung und Schulentwicklung in der Primarschule 
(SBSE)" in den 90er-Jahren, oder die Entwicklung eines dem ,globalen Lernen"'95 verpflich- 
teten Lehrplans um die Jahrtausendwende. 
Zwei weitere Meilensteine, die Entwicklung des ,Leitfaden(s) für Qualitátssicherung und — 
entwicklung" im Jahr 2000, sowie das Projekt ,Schul- und Profilentwicklung auf der Sekun- 
darstufe 1 (SPES 1)' von 2007 bis 2011 sahen bereits die Implementierung wesentlicher 
Eckpfeiler moderner Schulentwicklung vor, brachten aber damit neue ,Player" und Mecha- 
nismen in die Konzeption der Schulentwicklung ein. Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen 
in Richtung teilautonomer Schule(n) und insbesondere der damit einhergehenden Stárkung 
der Schulleitung'?? ist der Blick auf das Spannungsfeld zwischen Partizipations- und Füh- 
rungsparadigma im Zusammenhang mit Berufszufriedenheit besonders interessant. 
  
196 Die ehemalige Aussenministerin, Andrea Willi, beschreibt dieses System sehr treffend mit Attributen 
wie :*...die Náhe des Bürgers zum Staat, (...) der direkte Anteil an politischen Entscheidungen, (...) 
das enge Verhältnis zwischen Institutionen und ihren Benützern" (Willi 1996, S.187). Willi weiter 
(ebd): ,Auch die daraus resultierenden positiven Folgen kennt Liechtenstein: die aufgrund dieser 
Náhe gróssere Identifizierung mit dem Staat, die Personifizierung von Postulaten und Forderungen, 
der persónliche Einsatz für diesen Staat. Allerdings sollte die Kleinheit auch nicht verherrlicht 
werden, birgt sie doch auch Nachteile, die zuweilen als übermáchtige soziale Kontrolle oder als 
allgegenwártige gesellschaftliche Zwánge negativ empfunden werden können.“ 
107 Noch 2011 findet sich im Vemehmlassungsbericht der Regierung zur jüngsten Revision des 
Schulgesetzes der Hinweis, "(...), dass die Lehrpersonen traditionell in die Erarbeitung der Ver- 
ordnungen mit einbezogen werden." (Lit. BUA 2011/57, S.59) 
103 siehe Lehrplan, Rubrik ,Lernfelder"* (Schulamt 1999, S.3) 
10? Abánderung des Schulgesetzes - 2011 (Onlineverzeichnis 41). 
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