Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
57
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000380404/704/
Staatsgerichtshof und EFTA-Gerichtshof 
scheidung des EuGH gleichkommt,*©° sodass der EFTA-Gerichtshof 
seine Auslegungsentscheidungen, die von den nationalen Gerichten 
anerkannt werden,°1 im Rubrum als «Urteile» oder «Vorabentscheidun- 
gen» und im Dispositiv als «Gutachten» bezeichnet. 
3. 
a) 
Rechtsanwendungsvorrang des EWR-Rechts und Kassation 
des innerstaatlichen Rechts 
Stellung des Staatsgerichtshofes 
Da das EWRA bzw. das EWR-Recht materiell einen «verfassungsän- 
dernden und -ergänzenden Charakter» aufweist, hat der Staatsgerichts- 
hof seine «Normenkontrollfunktion auch in Bezug auf die Über- 
einstimmung innerstaatlicher Gesetze und Verordnungen mit dem 
EWR-Recht» wahrzunehmen. Das heisst, dass auch die EWR-Rechts- 
widrigkeit von Gesetzen und Verordnungen beim Staatsgerichtshof gel- 
tend gemacht werden kann. Er überprüft EWR-Recht und sich darauf 
stützendes Landesrecht in der Regel» nicht auf seine Verfassungsmäs- 
  
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hofes zu Vorlagefragen rechtlich gesehen «keine bindende Wirkung, da es sich um 
Gutachten handelt». Nach Andreas Batliner, Die Anwendung des EWR-Rechts, 
S. 140 sind die Gutachten für die nationalen Gerichte «theoretisch» nicht verbindlich. 
Siehe Art. 267 AEUV und Halvard Haukeland Fredriksen, Europäische Vorlage- 
verfahren, S. 5 und 16. Carl Baudenbacher, Grundfreiheiten und Grundrechte, 
$. 789 Rz. 16 konstatiert, dass Vorabentscheidungen des EFTA-Gerichtshofs «in ih- 
rer Normativität> kaum schwächer sind als diejenigen des EuGH. 
Siehe für den Verwaltungsgerichtshof Andreas Batliner, Die Anwendung des EWR- 
Rechts, S. 140 und für den Staatsgerichtshof SCGH 2011/200, Urteil vom 7. Februar 
2012, Erw. 3.2 (im Internet abrufbar unter: ). 
Vgl. Halvard Haukeland Fredriksen, Europäische Vorlageverfahren, S. 17 und 
247 f.; Carl Baudenbacher, Grundfreiheiten und Grundrechte, S. 789 Rz. 16. 
StGH 1996/34, Urteil vom 24. April 1997, LES 3/1998, S. 74 (80); SEGH 1998/3, 
Urteil vom 19. Juni 1998, LES 3/1999, S. 169 ff. (171); SEGH 2000/33, Entscheidung 
vom 5. Dezember 2000, nicht veröffentlicht, S. 23. 
StGH 1998/61, Urteil vom 3. Mai 1999, LES 2/2001, 5. 126 (130 f. Erw. 3.1); SIGH 
2008/36, Urteil vom 30. Juni 2008, Erw. 2.1 (nicht veröffentlicht); StGH 2006/94, 
Urteil vom 30. Juni 2008, Erw. 2.1 (im Internet abrufbar unter: ). Nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofs darf EWR-Recht 
nicht gegen «Grundprinzipien und Kerngehalte der Grundrechte der Landesver- 
fassung verstossen». Da, wie der Staatsgerichtshof in SSGH 2007/127, Urteil vom 
11. Februar 2008, Erw. 4.2 (im Internet abrufbar unter: ) ausführt, «auch das Recht der Europäischen Gemeinschaften und somit auch 
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