Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
57
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000380404/273/
Staatsrecht und Hausrecht 
ben» hat und sich so das fürstliche Hausrecht seine Natur als selbstän- 
dige unabhängige Rechtsquelle bewahrt hat.!*° Diese Sichtweise erinnert 
noch an die Lehre von dem eigenen Recht des Monarchen auf die Herr- 
schaft, die sich auf das «alte naturrechtliche und patriımoniale» Gedan- 
kengut stützt, nach dem Gott allein der «Ursprung der monarchischen 
Gewalt» ist.!*! Sowohl die patrimoniale Staatstheorie, die ursprünglich 
vom Eigentum des Fürsten am Boden, später von der sogenannten «Sou- 
veränität» ausging,! als auch die Herrschertheorie!®, die dem Fürsten 
ausserhalb und oberhalb des «Staates» eine Stellung zuweist, die er als 
eigene aus eigenem Recht innehat, und von einem solchen Standort aus 
von aussen und von oben auf den Staat einwirken lässt,!*#* halten vor der 
Verfassung nicht mehr stand. 
3. Staat und Organe 
Aus dem Konstitutionalismus der Verfassung von 1921 ergibt sich, dass 
alle Organe ım Staat ihre Kompetenzen aus der Verfassung ableiten, so 
auch der Fürst und das Fürstenhaus. Weder der Fürst noch das Fürsten- 
haus besitzen ein eigenes Recht auf Herrschaft, sondern nur ein solches 
aufgrund der Verfassung.!® Sie haben keine anderen und weiteren Kom- 
petenzen als jene, die ihnen die Verfassung zuweist.!*6 Es gibt auch keine 
verborgenen Kompetenzen oder ausser- und vorkonstitutionelle 
Bestimmungen oder verfassungsrechtliches Gewohnheitsrecht.!* 
Der Fürst ist nicht mehr der Souverän, der die Verfassung gewährt, 
wie dies noch unter der Konstitutionellen Verfassung von 1862 der Fall 
140 Vgl. Präambel und Art. 1 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 2 und 3 HG; in diesem Sinne auch 
Hermann Rehm, Modernes Fürstenrecht, 5. 24. 
141 Georg Jellinek, Allgemeine Staatslehre, S. 472 f. 
142 Peter Pernthaler, Das Staatsoberhaupt, S. 101. 
143 Der Begriff «Herrschertheorie» geht nach Georg Meyer / Gerhard Anschütz, Lehr- 
buch des deutschen Staatsrechts, S. 16 auf Georg Jellinek zurück. 
144 Vgl. Herbert Krüger, Allgemeine Staatslehre, S. 141 f. mit weiteren Hinweisen. 
145 Edwin Loebenstein, Die Stellvertretung des Landesfürsten, S. 78. 
146 Vgl. die Interpellationsbeantwortung BuA Nr. 61/1995 der Regierung vom 
29. August 1993, $. 10. 
147 Gerard Batliner, Einführung in das liechtensteinische Verfassungsrecht, S. 43 f. und 
unter Bezugnahme auf ihn die Interpellationsbeantwortung BuA Nr. 61/1995 der 
Regierung vom 29. August 1993, S. 10. 
272
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.