Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
57
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000380404/151/
Verfassungsrevision von 1921 
Abgeordneten geht, ein Vorschlagsrecht zugestanden, wozu es eines kol- 
legialen Beschlusses bedarf. Die politischen und gerichtlichen Instanzen 
sind mit Ausnahme des Obersten Gerichtshofes in das Land zu verlegen. 
Dieser Landtagsbeschluss beinhaltet u. a. eine Änderung des Regie- 
rungssystems und zugleich auch der Verfassung, wie das Beispiel der 
darauf folgenden Regierungsbestellung zeigt. Der Landtag hat nämlich 
Prinz Karl von Liechtenstein, nachdem er am 13. Dezember 1918 vom 
Landesfürsten zum Landesverweser ernannt worden war, in der Land- 
tagssitzung vom 17. Dezember 1918 das Vertrauen ausgesprochen und in 
der gleichen Landtagssitzung die zwei Regierungsräte gewählt.!? Die 
bisherige ausschliessliche Exekutivgewalt des Landesfürsten wird in 
zweifacher Hinsicht eingeschränkt. Er ist bei der Ernennung des Lan- 
desverwesers an die Zustimmung des Landtages gebunden.?° Die Regie- 
rungsräte bestimmt der Landtag allein. Landtagspräsident Albert Schäd- 
ler hielt denn auch fest, «erst jetzt, wo der Fürst das Prärogativ (Ernen- 
nungsrecht) dem Landtag abgetreten hat, können wir rechtmässig 
Regierungsräte wählen».?! 
2. Auswirkungen 
Damit war vorerst die Regierungskrise beseitigt, beendet war sie noch 
nicht. Sie entzündete sich erneut, als es um die Nominierung von Josef 
Peer? zum Landesverweser ging.? Die Weichen in Richtung «Parlamen- 
19 Vgl. Rupert Quaderer, Der historische Hintergrund der Verfassungsdiskussion, 
$.117; Herbert Wille, Regierung und Parteien, S. 85. 
20 Dies betrifft sowohl die Person als auch die Landeszugehörigkeit des Landesver- 
wesers. 
21 Herbert Wille, Regierung und Parteien, S. 85. Bei den beiden (nebenamtlichen) Re- 
gierungsräten handelte es sich um Franz Josef Marxer und Wilhelm Beck. Damit wa- 
ren, wie Rupert Quaderer, Der historische Hintergrund der Verfassungsdiskussion, 
S. 117 feststellt, «immerhin zwei Mitglieder des provisorischen Vollzugsausschusses 
vom 7. November 1918 als Regierungsmitglieder bestätigt worden.» Zur Person von 
Franz Josef Marxer siehe Donat Büchel, in: Historisches Lexikon, Bd. 2, 5. 587. 
22 Zu seiner Person siehe Rupert Quaderer, in: Historisches Lexikon, Bd. 2, S. 696 f. 
und Rupert Quaderer-Vogt, Bewegte Zeiten, Bd. 2, S. 184 f.; siehe auch Friedrich 
Wilhelm Kremzow, Rechtsanwälte, 5. 53 ff. 
23 Siehe Herbert Wille, Regierung und Parteien, S. 85 ff. 
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