Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/99/
Aus der Lebensmittelindustrie kennen wir den Begriff des «Ge - schmacksverstärkers». In der Aussenpolitik gibt es das Äquivalent des «Souveränitätsverstärkers». Der heisst dort «multilaterale Diplomatie» – also die Teilnahme an globalen oder regionalen Staatenverbindungen wie UNO, OSZE, EWR und Europarat. Selbstbestimmung im 21. Jahrhun- dert gelingt am besten im Verbund mit anderen. Um die eigenen Inte- ressen zu vertreten, muss man sich zunächst ein Bild machen und dann für seine Anliegen auch Zuhörer finden. Nur wer am Tisch sitzt mit den anderen, wird gehört; darf Vorschläge einbringen, kann frühzeitig erken- nen, wo Vorteile sind oder Gefahren drohen. Selbst wenn im Zeitalter der Globalisierung manche Gestaltungsräume kleiner werden, so kann man sie als respektierter Partner da und dort pragmatisch wieder aus- weiten. Aber noch einmal: dazu muss man Sitz und Stimme haben. Draussen vor der Tür kann man höchstens als Demonstrant ein Trans- parent entfalten. Der Igel und seine Stacheln ist kein gutes Bild für erfolgreiche Sou- veränitäts-Wahrnehmung. Besonders nicht für wirtschaftlich starke, mit anderen verflochtene Länder wie Liechtenstein, Österreich, Schweiz. Da ist das Bild vom Vogelschwarm wohl besser. Es ist dynamischer und zeigt eine Vielzahl von Einzelnen in Bewegung, aber auch in harmoni- scher Abgestimmtheit. Mitfliegen, mitdenken, mitgestalten, mitverant- worten – so ist heute Souveränität am wirksamsten. In den 15 Jahren seiner Tätigkeit an der Spitze der Regierung hat Hans Brunhart es geschafft, dem Fürstentum Liechtenstein ein neues internationales Profil zu geben. Sozusagen von einer defensiven «Igel- Politik» zu einer vorwärts gerichteten «Vogelschwarm-Politik». Unter seiner Führung ist das Fürstentum dem Europarat (1978), der UNO (1990), der EFTA (Vollmitglied 1991) und schliesslich dem EWR (Volks- abstimmung am 13. Dezember 1992) beigetreten. In der Folge gelang auch die diplomatische Meisterleistung, in enger Nachbarschaft mit zwei EU-Mitgliedern und einem betonten Nicht-EU-Mitglied im Interesse der Liechtensteiner im Alltag für reibungslose Verhältnisse beim Leben und Arbeiten zu sorgen. Liechtenstein ist heute mit Island und Norwegen derjenige Staat, der am dichtesten mit der EU verbunden ist. Das ist keine Selbstver- ständlichkeit. Das wissen diejenigen, die wie ich in der Schweiz den 6.Dezember 1992, das Volks-Nein zum Schweizer EWR-Beitritt erlebt haben. Und die sich nur eine Woche später mit den Liechtensteiner 99 
Geschmacksverstärker, Souveränitätsverstärker –neue Normalität im Weltdorf
        

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