Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/98/
Nachbarschaft, Bildung, Friede, Entwicklung, Nachhaltigkeit zu tun? Machen diese herkömmlichen Kriterien, die so sehr auf Mass, Zahl und Gewicht ausgerichtet sind, im 21. Jahrhundert überhaupt noch Sinn? Viel eher gewinnt in der modernen Welt derjenige, der Zugang zu den nötigen Ressourcen hat, der massgeschneiderte Lösungen für sich selbst austüf- telt, der sich partnerschaftlich vernetzt und von anderen respektiert wird. Die Globalisierung stellt uns vor neue Begrifflichkeiten und zwingt uns zu ganz neuen Erfahrungen. Das gilt nicht nur für den einzelnen, das gilt auch für die Staatenwelt. Primäres Ziel der Staatspolitik jedes Landes ist die Wahrung der eigenen Unabhängigkeit. Souveränität wird in der Regel im Wege der Aussenpolitik gesichert, auf unserem Kontinent in besonderem Masse durch die Europapolitik. Wie aber buchstabieren wir Souveränität im 21. Jahrhundert und welche Rolle spielt dabei die Grösse oder Kleinheit eines Landes? Souverän ist nicht, wer alles immer selber macht. Souverän ist, wer seine Möglichkeiten zur Mitgestaltung optimiert. Gerade kleinere Län- der wissen um die eigene Verletzbarkeit. Gute Partnerschaft ist ihr bes- ter Schutzmantel. Die KMS (kleine und mittlere Staaten) tun daher gut daran, klug vorzudenken und zu planen. Und sich einzuklinken in das Geschehen im Weltdorf. Im Völkerrecht gilt das Prinzip der souveränen Gleichheit. Liech- tenstein hat in der internationalen Welt grundsätzlich dieselben Rechte wie China. Wie bei einzelnen Menschen, die ja auch dieselben Rechte haben. Sie mögen gross oder klein, blond, schwarz oder grau, sportlich eher fit oder unbegabt sein. Souverän ist, wer über sein eigenes Schicksal selbst bestimmen kann. Das gilt für Menschen wie für Staaten. Und für beide gilt, dass es im 21. Jahrhundert keiner völlig allein schafft – Eremi- ten ausgenommen (aber das ist kein Konzept der Staatspolitik). Wir sind aufeinander angewiesen; immer mehr Themen, Probleme und Heraus- forderungen lassen sich nicht auf Landesebene erfolgreich bearbeiten oder gar lösen. Was immer irgendwo in der Welt passiert, hat Auswir- kungen auf das entlegenste Tal, auf das kleinste Dorf: Flüchtlingswellen – ausgelöst durch blutige Konflikte, Kriegsangst, Krankheiten oder wirt- schaftliche Aussichtslosigkeit. Der Klimawandel mit seinen Auswirkun- gen auf Lebensqualität und Wirtschaft. Markteinbrüche durch Kriege, Sanktionen oder Turbulenzen der Finanzmärkte. Neue Mitbewerber im globalen Wettbewerb. Unser Planet ist zum Weltdorf geworden – ohne Rückfahrkarte in stammesgeschichtlich frühere Epochen. 98Ursula Plassnik
        

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