Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/45/
ser Abstimmung waren intensive innenpolitische Auseinandersetzungen vorausgegangen, die schliesslich wegen der Frage des Abstimmungster- mins vor oder nach der Schweiz zu einer sogenannten «Staatskrise» geführt hatten. Fürst Hans-Adam II. hatte sehr stark in Richtung eines EWR-Beitritts argumentiert und andere Alternativen («EG-Mitglied- schaft oder Isolationspolitik») dagegen gestellt, so etwa in seiner Ansprache zum Staatsfeiertag 199243und dann auch im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der Regierung über den EWR-Abstim- mungstermin. Parallel zu dieser Position des Fürsten war zum Thema EWR zu deren Verankerung in der Bevölkerung in der politischen und parteipo- litischen Auseinandersetzung auf Regierungsebene ein sehr hohes Enga- gement sowohl seitens des Regierungschefs wie auch des Regierungs- chef-Stellvertreters und anderer politischer Mandatare notwendig.44 Hans Brunhart wurde von Dr. Herbert Wille unterstützt, was auch für die partei-interne Positionierung wichtig war. Dr. Alois Ospelt hält hierzu in der Festschrift zum 70. Geburtstag von Dr. Wille bezogen auf die Jahre 1989–1993 fest: «... Neben Gesetzeswerken war es die Aus- senpolitik, die auch Herbert Wille vor grosse Herausforderungen stellte. Es galt, sich im Gefolge der grossen europäischen Umstellungen zu erklären. Der Integrationsprozess und der in Aussicht stehende EWR- Vertrag stellten die liechtensteinischen Entscheidungsträger, gerade auch den Minderheitspartner in der Koalitionsregierung, vor schwerwiegende staatspolitische, ökonomische und soziokulturelle Fragen. In solchen Situationen, in denen es um existenzielle Fragen des Staates gehe, führ- ten parteipolitische Alleingänge ins Abseits, warnte Herbert Wille, und forderte die in der Koalition geltende aussenpolitische Gemeinsamkeit ein. Um einen EWR-Vertrag meistern zu können, müsse die Regierung in der Lage sein, ihre Führungsaufgabe wahrzunehmen. Das verlange vom Minderheitspartner ein hohes Mass an Mittragen und gerade vor anstehenden Wahlen Zurückhaltung bei der eigenen Profilierung. [...] Liechtenstein sollte eigenständiger Partner im EWR-Prozess sein und nicht abseits stehen ...»4545 
Biografische Notizen zu Hans Brunhart 43Liechtenstein 1988–1998, S. 100. 44Eine ausführliche Darstellung dazu findet sich in Liechtenstein 1988–1998, S.108–121.Siehe auch Festschrift Dr. Wille, S. 289–291. 45Festschrift Dr. Wille, S. 289–290.
        

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