Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/292/
den Beitritt zum EWR abgelehnt hatte. Dies führte zunächst dazu, dass viele liechtensteinische Gegner eines EWR-Beitritts glaubten, nun leich- tes Spiel zu haben. Es stellte sich allerdings in den wenigen Tagen zwi- schen dem 6. und 13. Dezember 1992 rasch heraus, dass das Schweizer Abstimmungsergebnis dort einen bösen Katzenjammer verursacht hatte und des Weiteren, dass die Schweiz einen EWR-Beitritt Liechtensteins trotz des schweizerischen Abseitsstehens durchaus befürwortete und bereit war, für die in einem solchen Fall nötigen Vertragsanpassungen Hand zu bieten. Insbesondere die diesbezüglichen grosszügigen Zusi- cherungen von Bundesrat Delamuraz, aber ganz sicher auch der gemein- same Fernsehauftritt des Landesfürsten mit Hans Brunhart führten schliesslich dazu, dass sich in Liechtenstein doch eine Mehrheit für einen EWR-Beitritt fand, womit Hans Brunhart seine diesbezügliche aussen- politische Agenda erfolgreich abschliessen konnte. Allerdings wurde bald klar, dass das Verhältnis zwischen Fürst Hans-Adam und seinem Regierungschef trotz dieses positiven Abstim- mungsresultats beeinträchtigt blieb. Da nunmehr auch der Wahlkampf für die Landtagswahlen vom Februar 1993 voll einsetzte – und zwar in einer teilweise besonders unschönen Form – und damit wieder parteipo- litische Überlegungen die Oberhand gewannen, wurde seitens des poli- tischen Gegners kräftig und letztlich mit Erfolg versucht, Zweifel bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zu säen, ob zukünftig noch eine erspriessliche Zusammenarbeit zwischen dem Landesfürsten und einem Regierungschef Hans Brunhart möglich sein würde, so dass die dramatischen Geschehnisse des Oktober 1992 letztlich auch einen erheblichen Anteil an der Wahlniederlage Hans Brunharts im Februar 1993 hatten. Dass dieses äusserst bewegte letzte Jahr in der Regierungszeit Hans Brunharts beginnend mit der Unterzeichnung des EWR-Abkommens Anfang Mai 1992 und endend mit der Neuwahl einer Regierung ohne Hans Brunhart im Mai 1993 keineswegs das einzige derart bewegte Jahr für Liechtenstein nach den vielen «ruhigen» Jahren vor 1992 bleiben sollte, konnte damals noch nicht abgesehen werden und hatte denn auch mit Hans Brunhart unmittelbar nichts zu tun. Jedoch wurden die Keime für diese späteren bewegten Jahre eigentlich alle im letzten Regierungs- jahr von Hans Brunhart gelegt, da sowohl die zweite EWR-Abstim- mung vom Jahre 1995 als auch die diversen Abschnitte der Verfassungs- auseinandersetzungen ab 1995 im Jahr 1992 ihren Ursprung hatten, sei 292Peter Wolff
        

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