Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/25/
Einleitung zu einem Referat hielt er damals fest: «Der Referent ist weder Politiker noch Diplomat. Er ist nur insofern Fachmann, als er Bürger dieses Landes ist ...» Das sollte sich bald ändern. Unvergessen ist mir das von Hans verwendete Bild vom «Punkt auf der Landkarte Europas», als er die staatliche Grösse Liechtensteins ein- ordnete: «Dieses Referat wird in einem Lande gehalten, dessen Grösse mit 160 km2besser als Kleinheit bezeichnet wird. Auf einer politischen Karte Europas, dies sogar im Schulkartenformat, fristet Liechtenstein ein Punktedasein. Die Kartographen geraten in Verlegenheit, denn um das Land mit seinem vollen Namen zu bezeichnen, müssen sie österrei- chisches oder schweizerisches Gebiet annektieren.» Als Fragen fügte er an: «Wie soll ein Staat, der zu klein ist, um seinen Namen auf sein eige- nes Hoheitsgebiet zu schreiben, eine Aussenpolitik betreiben? Ist er nicht ein kleiner Gernegross?» Und: «Wie kann ein Land eine aktive und selbständige Aussenpolitik gestalten, dessen gesamte Bevölkerung nicht einmal einen stimmungsvollen Rahmen für ein Fussballländerspiel abge- ben würde?»7 Nun, alle diese Fragen wie auch viele der im Referat aufgestellten Forderungen bezüglich der Ausrichtung der liechtensteinischen Innen- politik im Interesse der Aussenpolitik haben später eine Antwort gefun- den, die sich sehen lassen kann. Hans hatte also bereits für seine Tätig- keit als Regierungschef-Stellvertreter und dann als langjähriger Regie- rungschef «vorgespurt». Schon lange, bevor Hans vom abgetretenen Regierungschef Dr. Alfred Hilbe in sein neues Amt als Regierungschef-Stellvertreter einge- führt wurde, waren wir beide bei Dr. Hilbe vorstellig geworden. In der Schweiz stand damals das sogenannte Lausanner Modell zur Studienfi- nanzierung (Schwerpunkt: Abgabe von zinslosen Darlehen anstelle von Stipendien an die Studierenden) zur Diskussion. Wir brachten das Thema vor und bemühten uns um ausführliche Begründungen für die Einführung des Modells auch in Liechtenstein. Die lapidare Antwort von Dr. Hilbe: «Warum geht ihr überhaupt studieren?» Kopfschüttelnd (und wohl auch etwas verunsichert, ob er es wirklich ernst gemeint hatte) verliessen wir das Regierungsgebäude.25 
Biografische Notizen zu Hans Brunhart 7Ebenda.
        

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