Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/222/
erhaftigkeit beigetragen haben auch ähnliche wirtschaftliche Interessen und eine liberale Ausrichtung in der Gestaltung der Wirtschaftspolitik. Beide Länder konnten sich nicht auf einen grossen Binnenmarkt abstüt- zen, sondern waren auf Exporte und damit offene Märkte angewiesen. Auch teilen sie seit mehreren Jahrzehnten das Interesse an einem starken Dienstleistungssektor. Schliesslich vereinfachten die sprachliche und kulturelle Verwandtschaft die Kontakte und halfen vor allem in Krisen- situationen, auch Lösungen zu akzeptieren, die für eine Seite schmerz- lich waren. Dennoch können aus der langjährigen Erfahrung mit dem Zollver- trag auch gewisse Lehren gezogen werden. Der frühere Bundesrat Otto Stich hob anlässlich des 70jährigen Jubiläums des Zollvertrags einen Punkt hervor: «Als Mitglied des Bundesrates sehe ich im Zollvertrag ein Stück Europa. In dem Sinne nämlich, dass ein «Kleiner» im Zusammen- gehen mit einem «Grösseren» stets seine Identität bewahren und seiner Meinung Gehör und Nachachtung verschaffen konnte».22Ist es verwe- gen zu behaupten, dass dies auch für die Schweiz in der Gestaltung ihres Verhältnisses zur EU eine Lehre sein könnte? Eine erfolgreiche Zoll- union, die den Teilnehmern genügend Freiheit lässt, kann aber auch für andere, ähnlich gestaltete Partnerschaften eine Vorbildfunktion haben. Zu denken ist etwa an das Verhältnis zwischen Südafrika und den umlie- genden, wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern. Oder gar an die Beziehungen zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Von Interesse könnten auch gewisse Lösungsansätze sein, die sich zwischen der Schweiz und dem Fürstentum bewährt haben, oder die ausprobiert und anschliessend verworfen wurden. Das gilt etwa für die Beschrän- kung der Zollunion auf einen, für die Parteien relevanten Bereich. Oder die Art und Weise der Aufteilung der gemeinsamen Zolleinnahmen. Damit diese Vorbildfunktion zum Tragen kommen kann, braucht es allerdings die Bereitschaft, die Erfahrungen mit der Zollunion zwischen der Schweiz und Liechtenstein publik zu machen. Die eingangs erwähnte Episode mit Japan spricht nicht gerade dafür, dass diesem Gebot in der Vergangenheit nachgelebt wurde. Es ist zu hoffen, dass sich dies ändert. 222Hanspeter 
Tschäni 2270 Jahre Zollvertrag Schweiz-Fürstentum Liechtenstein, 1924–1994, Beilage zur Zoll-Rundschau 4/94, S. 4.
        

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