Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/22/
eine Frau «zählte», wenn es um das Vorbringen eines Familien-Anlie- gens bei den Behörden ging, und wie schwierig es damals für Männer war, eine Arbeit im Lande zu finden.4 Nicht immer zu seiner eigenen Freude war Hans in seiner Ferien- zeit im «Laden» anzutreffen, wo von Eisenwaren über Blumenvasen, Pfefferminztabletten (ein Kunde soll sie mangels Alternativen als Mittel gegen Magenbrennen gekauft haben) und Zigaretten so ziemlich alles zu haben war, was ein Haushaltsgeschäft damals im Angebot hatte. Mein näherer Kontakt zu Hans entstand in den Fünfzigerjahren, als wir beide Ministranten waren, der eine etwas frommer, der andere etwas weniger, was durch regelmässiges Fussballspielen vor den Minis- trantenproben in etwa ausgeglichen werden konnte. Aus der Ministran- tenzeit ist uns beiden wie vielen anderen in Balzers vor allem der 1.August 1955 in Erinnerung. Pfarrer Arnold Waser, der siebzehnjährige Georg Vogt und der achtjährige Hans Kaufmann kamen am ersten Tag eines Ferienlagers der Balzner Ministranten in Vira am Lago Maggiore im Tessin bei einem Badeunfall ums Leben. Das ganze Dorf Balzers stand unter Trauer. Die Bilder des tragischen Ereignisses haben sich uns, die wir beide in Vira dabei waren, tief eingeprägt.5 Die gemeinsame Zeit (Hans war eine Klasse vor mir) am Gymna- sium «Untere Waid» in Mörschwil SG und am «Lyzeum Gutenberg» in Balzers brachte uns noch enger zusammen. Die Eigenheiten des Inter- natslebens auf Gutenberg, das auch für dort Studierende aus Balzers galt, trugen dabei verschiedene Früchte, von denen nicht alle ins Schaufenster gehören. Jedoch lässt sich sagen, dass Hans stolz auf seine Gitarre war, die aber relativ wenig, zumindest öffentlich, von ihm bespielt wurde. Beim «Rosele» war der Treffpunkt der Studenten in ihrer Freizeit, sie war eine liebevolle Gastgeberin für uns alle. Ansonsten galt Hans einfach als ausgezeichneter Schüler bzw. Student, auch wenn er das nie zur Schau stellte. Als relativ «harter» Fussballer gewöhnte er sich schon frühzeitig an die in seinem späteren Leben benötigten Bandagen. Ein gewisses Talent zur Schauspielkunst kann ihm ebenfalls nicht abgesprochen werden, 22Roland 
Marxer 4So auch am 20. Juni 2012 im Liechtensteinischen Landesmuseum im Rahmen der Gesprächsreihe Geschichte(n) erzählen. 5Hans Brunhart, Ein Dorf in Trauer – Der 1. August 1955, Balzner Neujahrsblätter, 2005, S. 49 ff.
        

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