Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/149/
war auf dem Wege zum souveränen Staat – ein langer Weg, der endgül- tig erst nach dem Ersten Weltkrieg erfolgreich abgeschlossen werden konnte.»4Beim Wort «endgültig» scheint ein Fragezeichen angebracht, denn die Anwendung der «Souveränität» wird kaum je einen Abschluss erreichen, sondern entfaltet sich eher in einem permanenten Entwick- lungs- und Regenerationsprozess. Schon vor und nach dem Zusammenbruch der Habsburg-Monar- chie erfolgte erneut eine schwierige Zeit der Um- und Neuorientierung, die erst mit dem Abschlussdes Vertrags über den Anschluss des Fürs- tentums Liechtenstein an das schweizerische Zollgebiet vom 29. März 1923 langsam in ein Zeitalter der Erholung und des Aufschwungs mün- dete. Liechtenstein hatte im Lauf der Geschichte aber immer wieder und auch nach Rückschlägen um souveräne Rechte kämpfen müssen. 1920 wurde die Aufnahme in den Völkerbund noch verweigert mit dem Argument «zu klein» sei dieser Staat und es sei ihm «unmöglich, den ihm gemäss den Satzungen zufallenden internationalen Verpflichtungen nachzukommen»5. Auch die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), selbst bei Verzicht auf das Stimmrecht, war 1960 unter Hinweis des Vertretungsrechts aufgrund des Zollvertrags noch nicht möglich. Das Muster, dem Liechtenstein durch all die Jahrhunderte gefolgt ist, ist klar erkennbar: Liechtenstein schliesst sich in seiner Aussenpoli- tik stets einem oder mehreren grösseren Partnern, auch parallel und gleichzeitig, an und sucht sein Fortkommen und seine Wohlfahrt im Ver- bund. Ein Alleingang wurde nie ernsthaft in Betracht gezogen – die kurze vertragslose Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Abschreckung genug: «Während der ‹vertragslosen› Zeit drohte dem zwischen zwei Zollgrenzen eingeengten Liechtenstein die zollpolitische und wirtschaft- liche Isolation. Auch war es deutlich mit dem Aufbau der erforderlichen administrativen und rechtlichen Strukturen überfordert.»6 1938 nahm Fürst Franz Josef II. als erster Landesfürst Wohnsitz in Liechtenstein. Bedrohungen von aussen und von innen wurden von 149 
Meilensteine in der liechtensteinischen Aussenpolitik 4Georg Schmidt, a.a.O., S. 417. 5Pierre Raton, Liechtenstein. Staat und Geschichte, Vaduz, 1969, S. 68. 6Thomas Bruha/Katja Gey-Ritter, Kleinstaat und Integration: Liechtenstein im eu- ropäischen Integrationsprozess und in der Welthandelsordnung, in: Archiv des Völ- kerrechts, Band 36, Heft 2, 1998, S. 157.
        

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