Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/14/
er zu Beginn einer Wortmeldung leicht den Kopf hin und her, hob bei den ersten Worten den Unterkiefer etwas nach vorn und äusserte relativ emotionslos und sachlich seine Meinung. Am 27. März 1974 fand die erste Sitzung der neuen Regierung unter dem Vorsitz von Regierungschef Walter Kieber statt. Hans Brun- hart übernahm als Regierungschef-Stellvertreter die Ressorts Inneres, Wirtschaft, Bildungswesen und Verkehr. Mir wurde das Ressort Umwelt und Kultur zugeteilt. Es würde den Rahmen einer Porträtskizze spren- gen, wollte ich die Regierungsarbeit von Hans Brunhart in den Jahren 1974–1978 während meiner Mitgliedschaft in der Regierung auch nur andeutungsweise erwähnen. Indessen erinnere ich mich gern an die loyale Mitarbeit des Vize- chefs bei der Schaffung eines neuen Denkmalschutzgesetzes anlässlich des Europäischen Jahres für Denkmalpflege und Heimatschutz 1975. Dem äusserst schwierigen Gesetz, das die ungemein empfindlichen Bereiche von Privateigentum berührt und jeder Opposition im politi- schen Geschäft Chancen geboten hätte, sich zu profilieren, half Hans Brunhart in diskreter Zustimmung zum Durchbruch. Das gleiche Ver- halten durfte ich erfahren in der Spätphase der Auseinandersetzungen wegen der geplanten Raffinerie und Destillationsanlage im benachbarten schweizerischen Rheintal, ein Geschäft, das damals meinem Ressort Umwelt zugeordnet war. Und schliesslich muss ich – ich mag, auch heute, nur ungern davon sprechen – auf die kulturpolitisch vertane Chance hinweisen, in Vaduz ein modernes Kunsthaus zu bauen mit der Integration wesentlicher Bestände der Fürstlichen Sammlungen. Das Projekt verkam in den Achtzigerjahren zur Vaduzer Dorfposse und erreichte ein Niveau, das jeder Anfechtung von Vernunft und Bürger- sinn Stand hielt. Man stimmte ab, bis nichts mehr stimmte. Hans Brun- hart unterstützte meine Pläne auch nach 1978, als er Regierungschef war. Sein Engagement für kulturpolitische Belange durfte ich auch bei meiner Arbeit in der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung (1969–1996) erfahren. In den Jahren 1996–2011 war er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Verwaltungs- und Privat-Bank AG Vaduz und Präsident der Ankaufskommission für Kunst in der hauseigenen Samm- lung. Als Mitglied dieser Kommission konnte ich sein sicheres Urteil beim Erwerb von Kunstgut beobachten. Sein Engagement für zeitgenös- sisches Schaffen durfte ich beim Kauf von Arbeiten aus meinem Atelier erfahren. Ich bin Hans Brunhart dankbar. 14Georg Malin
        

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