Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/139/
...im Dienste der Menschen Der Jubilar als Angehöriger der Geisteswissenschaften möge mir es nicht übel nehmen, wenn ich meinen zweiten Gedankengang, der die Legiti- mitätsprinzipien in der internationalen Ordnung betrifft, mit einem Blick in die Geschichte beginne. Noch immer und heute mehr als noch vor einigen Jahren haben, als Ausläufer des nationalstaatlichen Denkens, die Worte «Souveränität», «nationale Interessen» usw. einen guten Klang. Die internationale und europäische Politik scheint sich in den Köpfen Vieler noch immer um die Zentren staatlicher Macht zu drehen. Dabei dürfen aber die grossen Ordnungssysteme und Friedenswerke nicht übersehen werden, die Denker und Staatsleute über die Jahrhunderte hinweg erdacht und vor allem in moderner Zeit effektiv geschaffen haben. Ich denke etwa an die scholastischen Philosophen Francisco de Vitoria (1488–1546) und Fran- cisco Suárez (1548–1617), die bereits Visionen eines universellen «ius communicandi» entwickelt hatten, an Hugo Grotius (1583–1617) mit seiner Abhandlung über die Freiheit der Meere, an den Humanisten Erasmus von Rotterdam (1469–1539) mit seinem Traktat «Querela Pacis», in dem er den Frieden redend auftreten und Gehör verlangen liess, an Immanuel Kant (1724–1804) mit seiner 1795 erschienenen, bahnbrechenden Schrift «Zum ewigen Frieden» oder an die früheren Pläne eines Völkerbundes von Maximilien de Béthune Herzog von Sully (1560–1641) oder Abbé Castel de Saint-Pierre (1658–1743), vor allem aber an die politischen Realisierungen der amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1856–1924) und Franklin Delano Roosevelt (1882–1945). 
Woodrow Wilsonwar der geistige Vater des 1920 gegrün- deten Völkerbunds mit Sitz in Genf. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte statt einem «pactum pacis» im Sinne der traditionellen Friedensbünd- nisse mit ihrem Streit um Herrschaft, Macht und Einflusssphären, mit ihren Gebietsansprüchen und Reparationsforderungen als umfassende, allgemeine und übergeordnete Friedensordnung ein «pactum paciticum» geschaffen werden. In seinen Reden in Amerika wandte sich Präsident Wilson an die «Völker der Welt». «It seemed to me that I heard the voice of one people speaking to another», sagte er. Die Alliierten hätten gekämpft, um eine alte Ordnung zu überwinden und eine neue zu errichten. Die alte habe auf einem Gleichgewicht der Macht beruht – das heisst auf Furcht, Gewalt, eifersüchtigem Eigeninteresse und endlosen 139 
Dimensionen der Kleinstaatlichkeit
        

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