Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2015
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000376391/137/
Organisationsgrad der modernen internationalen Gemeinschaft führte in eigener Sachlogik zur Egalisierung des Status von verschiedenartigs- ten Staatsgebilden. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Nicht nur drängt die Universalisierungstendenz des modernen Völkerrechts zu einem offenen Konzept der Staatlichkeit. Auch erleichtern es, im Gegen- satz zu alten bilateralen Beziehungsnetzen, internationale Organisatio- nen gerade auch kleinen Staaten, auf der internationalen Ebene diploma- tisch und politisch effizient zu kooperieren, ihre Schwäche durch gebün- delte Einsätze zu kompensieren und damit den alten Einwand der mangelnden Funktionsfähigkeit im internationalen System zu entkräf- ten. Die früheren Vorbehalte gegen Klein- und Kleinststaaten sind heute weitgehend hinfällig geworden. Gerade Liechtenstein hat in diesem Pro- zess eine Vorreiterrolle gespielt. Dass die Souveränität und Gleichheit Strukturelement der moder- nen Völkerrechtsgemeinschaft ist, ist nicht selbstverständlich. Die alten, machtgeprägten Herrschafts-, Allianz- und Gleichgewichtsysteme waren nicht von diesem Grundprinzip geprägt. Auch die grossen histo- rischen Friedenskonferenzen mit ihren streng hierarchisch geregelten Protokollen standen nicht im Zeichen der Gleichheit der Staaten. Erst in der Satzung des Völkerbundes kam, dank tatkräftigem Einsatz des ame- rikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, dieses Prinzip zum Tragen. Und in der Charta der Vereinten Nationen fand es seine Verfestigung. Die Errungenschaft der (formalen) Staatengleichheit gelang, nachdem noch an der Konferenz von Yalta im Februar 1945 auch andere Töne, d.h. «Melodien» des «Konzerts» der Grossmächte im Sinne des 19. Jahr- hunderts, zu hören waren. Stalin fand damals, es sei lächerlich zu glau- ben, dass Albanien bei der Errichtung einer Weltfriedensordnung eine gleiche Stimme haben solle wie die drei Grossmächte; Roosevelt ging davon aus, dass der Friede «should be written by the three powers repre- sented at this table»; und von Churchill heisst es, dass er Stalin und Roo- sevelt nicht gerade widersprochen, sondern empfohlen habe, auch weni- ger bedeutsamen Staaten ihre Stimme zu geben. Allerdings fügte Chur- chill hinzu: «The eagle should permit the small birds to sing and care not» – so ergänzte er – «wherefor they sang.»5An der Konferenz von 137 
Dimensionen der Kleinstaatlichkeit 5Vgl. H.W. Brands, The Privileged Life and Radical Presidency of Franklin Delano Roosevelt, New York 2008, S. 795 f.
        

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