Ein sozialer Zivilprozess ist für Angehörige aller, namentlich der ärme- ren Schichten der Bevölkerung gleichermassen zugänglich und zwecks Rechtsschutzes verwendbar.114 Er ist das Gegenteil «eines langwierigen, kostspieligen, formalistischen, den breiten Schichten der Bevölkerung ganz unverständlichen Gerichtsverfahrens»115. Klein verfocht den «Grundgedanken, zur social und wirthschaftlich zweckmäßigsten Anwendung der Proceßinstitute anzuleiten, den Proceß nicht als wissenschaftliches System, sondern sozusagen als eine 
Wohlfahrts- einrichtung begreiflich zu machen und auszubilden[.]»116 Nur falls überhaupt und nur insofern wie ein Konzept eines zeitgemäs- sen Zivilprozesses die praktischen Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft berücksichtigte, fand es bei Klein Gutheissung. Es musste vom Bemühen getragen sein, ebendiese praktischen Auswirkun- gen so zu steuern, dass sie sich nicht nur so wenig wie möglich zulasten des Gemeinwohls auswirkten, sondern so viel wie möglich dazu beitru- gen. «Rationell und der modernen Staatsauffassung gemäß wird der Pro- zeß nur dann sein, wenn der Rechtsschutz nicht erst mit dem Urteile, sondern schon vom ersten Schritte des Verfahrens an tatsächlich Gewäh- rung staatlicher 
Hilfe ist.»117 Es genügte also nicht, lediglich die Zwecke des Zivilprozesses umzusetzen, sondern es sollte vielmehr «der Haupt- und Endzweckdes Prozesses 
in sozial befriedigender Weise erreicht»118 werden, das heisst in der Rechtswirklichkeit eintreten.119 Denn, was ein zeitgemässes und fortschrittliches Zivilprozessrecht anging, stand für Franz Klein fest: «Erst durch die 
Beziehungen zum Wohl der Gesell- schaft erhalten die Rechtsschutzeinrichtungen ihre Weihe.»120 98§ 
3 Zivilprozess Kleins 114Klein, Zivilprozeß, S.390. Vgl. Esser, S.43. 115So der Ausschuss des Abgeordnetenhauses zur Zivilverfahrensreform, zitiert nach Walker, Vergleich, S.356; ebenso zitiert bei Vierhaus, Abgeordnetenhause, S.556. 116Klein, Praxis, S.IV, Hervorhebung E. S.; vgl. Klein, Rechtsentwicklung, S.413; Klein, Zivilprozeß, S.191f.m. w. H. 117Klein, Zeit- und Geistesströmungen, S.28, Hervorhebung im Original. 118Klein, Zivilprozeß, S.201, Hervorhebung E. S. 119Siehe Lewisch, Zivilprozeß, S.98f. 120Klein, Zivilprozeß, S.202, Hervorhebung E. S.; vgl. Klein, Rechtsannäherung, S.976.
        

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