kennzeichnend ist. [...] Sozialpolitik und Soziologie sind die Stich- worte dafür.»93 Es überwog, wie es laut Klein dem damaligen Zeitgeist entsprach, bei seiner Konzeption des österreichischen Zivilprozesses das 
gesamtgesell- schaftliche Moment. Funktion, Auswirkungen und Zwecke des Zivil- prozesses waren in erster Linie mit Blick auf die Gesellschaft insgesamt, das (sozialpolitische) «Gemeinwohl»94,den Staat, dessen Gewalten, Organisation und Verwaltung zu betrachten, erst in zweiter Linie kon- kret auf den einzelnen Rechtsuchenden und die Gruppe der Rechtsu- chenden insgesamt bezogen.95 Das bedeutete nicht, dass ihre Interessen und Anliegen gänzlich zu vernachlässigen gewesen wären; vielmehr waren es gerade sie, um derentwillen der Zivilprozess ja geschaffen wurde und immer wieder verbessert werden sollte.96 Aber über die Inte- ressen der Rechtsuchenden hinaus, und diese im Widerstreit letztlich infolge ihrer Masse und Gesamtheit überwiegend, galt es Klein zufolge, die gesellschaftlichen Interessen und Auswirkungen des Zivilprozesses und seiner Gestalt zu bedenken, zu gewichten und abzuwägen. Die Wahrnehmung des Zivilprozesses wurde dadurch zu derjenigen eines Massenphänomens, so dass Klein konstatierte, es sei «nicht auf den ein- zelnen Fall zu sehen, sondern die 
Massenwirkung entscheidet.»97Aus solch einer gesamtgesellschaftlichen Sicht auf die Institution des Zivil- prozesses folgte Kleins Auffassung, «daß die Zivilrechtspflege 
Pflege aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Lebens [...], eine der Aufrechter- haltung der gegebenen sozialen und Wirtschaftsordnung dienende Ver- waltungstätigkeit ist.»9893 
II. Auffassung Kleins 93Klein, Zivilprozeß, S.187. Zu Kleins soziologischen Konsequenzen für den Zivil- prozess siehe Esser, passim, zusammenfassend S.41. 94Klein, Zivilprozeß, S.190. 95Klein, Zivilprozeß, S.187f.m. w. H.; vgl. Klein, Parteienvertretung, S.22; Klein, Bemerkungen CPO, S.188; Klein, Zeit- und Geistesströmungen, S.23. Siehe Sprung, Grundlagen, S.391f.und S.394. 96Vgl. Klein, Bemerkungen CPO, S.189; Klein, Gesetzentwürfe, S.25 m. N. 97Klein, Pro futuro, JBl 19 (1890), S.545, Hervorhebung im Original; vgl. Klein, Zivil- prozeß, S.256. Siehe Schima, S.253 und S.268; Sprung, Grundlagen, S.391f. 98Klein, Anwendung, S.88, Hervorhebung im Original; wortgleich (aber in älterer Orthographie) Klein, Praxis, S.9f.; vgl. Klein, Zivilprozeß, 329. Vgl. Lewisch, Ana- lyse, S.159; siehe Fasching, Weiterentwicklung, S.102–105.
        

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