Änderungen zusammenfasste, die unter den unwesentlichen noch die wesentlichsten darstellten.85 Es haben «daher naturgemäß dessen [Franz Kleins, E. S.] Grund- positionen und Wertauffassungen in den von ihm verfaßten Entwürfen einen starken Niederschlag»86 gefunden und sich – was entscheidend ist – darin bis zur Urfassung der österreichischen Zivilprozessordnung von 1895 erhalten, «weil im Falle einer solchen Entwurfs-Erarbeitung die Notwendigkeit des kommissionellen Kompromisses schon im Ent- wurfsstadium nicht vorhanden»87 war. Wer demzufolge die österrei- chische Zivilprozessordnung von 1895 in ihren Grundüberlegungen, ihrer Systematik und ihren enthaltenen Konzepten verstehen will, muss sich in erster Linie an Franz Klein halten und sich namentlich seinem zivilprozessualen Schrifttum 
widmen. II.Der Zivilprozess nach Auffassung Franz Kleins Franz Klein mass dem Zivilprozess grosse gesellschaftliche Bedeutung bei (1.). Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht [a)] wurde der Zivilprozess für Klein zu einem Massenphänomen: Der Zivilprozess war wirtschaft- lich nicht produktiv [b)], weil er kein Kapital schuf, sondern vielmehr Kapital band und Kosten verursachte; dennoch war er für den Staat nötig, um die sozial schädlichen Streitigkeiten [c)] zu kurieren. Deshalb musste für Klein der Zivilprozess ein sozialer Zivilprozess im Sinne einer staatlichen «Wohlfahrtseinrichtung» (2.) werden. Das bedeutete für Klein: Der Zivilprozess musste sich seiner gesellschaftlich-prakti- schen Auswirkungen bewusst werden und bemüht sein, seine diesbe- züglichen Nachteile so weit als möglich zu beseitigen. Der Zivilprozess musste namentlich den sozial niederen Schichten finanziell zugänglich sein und auch für kleine Fälle sinnvollen staatlichen Rechtsschutz bieten, wodurch er eben zum sozialen und wohlfahrtsfördernden Zivilprozess wurde.91 
II. Auffassung Kleins 85Siehe Vortrag Krall 1895, passim. Siehe auch Vierhaus, Abgeordnetenhause, S.556–564; Vierhaus, Herrenhause, S.362–365; Walker, Vergleich, passim. 86Sprung, Zielsetzungen, S.338. 87Sprung, Zielsetzungen, S.338; vgl. Vortrag Krall 1895, S.242.
        

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