wertung des Zivilprozessgesetzgebers über den Zweck und den Gegenstand von Rechtsmitteln. Aufgabe der ersten Instanz ist pri- mär die Feststellung des zwischen den Parteien strittigen entschei- dungswesentlichen Sachverhaltes, was einen 
meistens sehr bedeu- tenden Aufwand an Zeit, Mühe und Sorgfalt erfordert. Eine abso- lut richtige Feststellung des Sachverhaltes kann selbst bei grösstem Aufwand wegen der Unzulänglichkeit der Beweismittel nicht garantiert werden, schon gar nicht durch das Berufungsgericht, das Zeugen und Parteien hört, wenn schon längere Zeit seit dem Aus- sagefaktum bzw[.] der erstinstanzlichen Vernehmung verstrichen ist. Es ist unrealistisch und eine Fiktion, wollte man in allen Fällen eine absolut richtige Entscheidung einfordern. 
Realistisch ist einzig die 
grösstmögliche Richtigkeitsgewähr und das Postulat, eine Ent- scheidung 
möglichst rasch und unter 
Aufwendung von Kosten her- beizuführen, die mit dem Wert des Streitgegenstandes in 
einem vernünftigen Verhältnis stehen.»38 Delle-Karth folgerte, dass ausschliesslich eine beschränkte Berufung die- sen Erfordernissen genüge, indem sie lediglich eine Prüfung des erstin- stanzlichen Verfahrens und dessen Urteils bezwecke; so laufe sie nämlich nicht darauf hinaus, der Partei die Wiederholung jenes Verfahrens und dadurch die Beseitigung der ihr darin unterlaufenen Nachlässigkeiten zu ermöglichen.39 Es sei prozessökonomisch der falsche Weg, über eine volle Berufung die Gründlichkeit im Zivilprozess sicherstellen zu wol- len. Vielmehr seien innerhalb des erstinstanzlichen Verfahrens die sowieso bestehenden Mechanismen zwecks Gründlichkeit auszuschöp- fen, so zum Beispiel die Erforschung des Sachverhaltes von Amtes wegen (§§ 84, 178 und 179 FL-ZPO) oder mittels der materiellen Pro- zessleitung (§§ 182 und 452 FL-ZPO).40 Verstösse dagegen bildeten übri- gens einen Verfahrensmangel (§ 465 Abs. 1 Ziff. 2 und 3 FL-ZPO), gegen den in der Berufung erfolgreich vorgegangen werden könne.41 Der prozessökonomisch signifikante Unterschied zwischen einem Zivilprozess mit beschränkter Berufung gegenüber einem solchen mit 493 
II. Nachtragsgesetz 1924 38Delle-Karth, S.40, Hervorhebungen E. S. 39Delle-Karth, S.40. 40Delle-Karth, S.40. 41Delle-Karth, S.40.
        

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