schreiben. Allerdings waren sie in ersterem Sinne (zum Grossteil) Folgen aus in der Zivilprozessordnung gelegenen Ursachen gewesen und ande- rerseits waren (weniger stark, aber immerhin) menschliche Akteure des Zivilprozesses und ihr Handeln für sie verantwortlich gewesen.256 Bezüglich der 
Ursachen für prozessökonomische Mängel befand Klein: «Die wahren Ursachen, warum unser Civilprozess [...] so gar nicht mehr befriedigen will, sind in dessen Grundgedanken gelegen»257, nicht zuletzt weil sie veraltet waren258 und den zeitgemässen gesell- schaftlichen, wirtschaftlichen und anderweitigen Erfordernissen nicht mehr zu genügen vermochten. Obgleich die Prozessgrundsätze einzeln und an sich laut Klein prozessökonomisch neutral waren,259 konnten sie in ihrem Wechsel- und Zusammenwirken und in ihrer konkreten Aus- gestaltung durchaus förderlichen oder beeinträchtigenden Einfluss auf die Prozessökonomie ausüben. Letzteres geschah aufgrund der Allge- meinen bzw. Westgalizischen Gerichtsordnung und als prozessökono- misch schädliche Prinzipien machte Klein vor allem namhaft: das forma- listische und starre Verfahren; die Mittelbarkeit zwischen Gericht und Parteiverhandlung; den allzu ausgeprägten Verhandlungsgrundsatz260 mit spiegelbildlich gesetzlich erzwungener Passivität des Gerichts;261 die allzu hohen Beweiserfordernisse zusammen mit gesetzlich gebundener, formaler Beweiswürdigung.262 Als prozessökonomische Folgeschäden aus diesen Prinzipien im alten Zivilprozess kritisierte Klein unter ande- rem die masslose Schriftlichkeit,263 übermässige Vertagungspraxis,264 die den Parteien allzu häufig gewährte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand265 sowie die in Verschleppungsabsicht eingebrachten gerichtsab- 460§ 
9 Fassung 1912 256Vgl. Klein, Bemerkungen CPO, S.187. 257Klein, Bemerkungen CPO, S.187. Diese Grundgedanken zusammenfassend siehe zum Beispiel Sprung, Zielsetzungen, S.338. 258Vgl. Klein, Gesetzentwürfe, S.1. 259Siehe oben unter §  9/III./1. 260Laut Rechberger, Ziele, S.60 m. N., «für Klein nahezu die Wurzel allen Übels der alten Prozeßordnungen». 261Klein, Pro futuro, JBl 19 (1890), S.533 und S.544, je m. w. H. Siehe Schoibl, Ent- wicklung, S.34f.und S.49 m. w. N. 262Klein, Bemerkungen CPO, S.188; Klein, Gesetzentwürfe, S.2. 263Vgl. Klein, Mündlichkeitstypen, S.17. 264Zum Beispiel Klein, Zivilprozeß, S.250f.Siehe Schoibl, Entwicklung, S.38. 265Vgl. Klein, Zivilprozeß, S.255.
        

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