der öffentlichen Sitzung vom 14. November 1912, den bisherigen Instanzenzug beizubehalten.238 Dass dieser Beschluss nicht allseits gebilligt wurde und die Rufe nach inländischen Rechtsmittelgerichten damit keineswegs aus der 
poli- tischen Debatte entfernt waren, sondern immer wieder Anlass zur Kri- tik gaben, zeigt beispielhaft ein Passus aus dem bereits genannten pole- mischen Artikel in den Oberrheinischen Nachrichten von 1914: Es werde gewünscht, «daß die 2. und 3. Instanz sich im Lande und nicht im Ausland befinde. Wie soll man sich den [sic!, E. S.] eine mündliche Berufs- verhandlung [sic!, E. S.] nach der Zivilprozeßordnung vorstellen[?] Man denke: Der Liechtensteiner muß nach Wien reisen! [A]uch die Zeugen sollten dort einvernommen werden. [...] Lägen die höheren Instanzen im Lande, so könnte dies alles vermieden werden. Wün- schenswert wäre zugleich auch die Heranziehung mehr einheimi- scher Kräfte zur Rechtssprechung.»239 Das Schlagwort «Los von Wien!»240 und gänzliche staatliche Selbstän- digkeit, was die Justiz betraf, wurde vor allem im Vorfeld der Ereignisse und Wirren wieder aufgegriffen, die schliesslich zur neuen Landesver- fassung von 1921 führten. b)Vergleichsversuch unabhängig vom Streitwert Walkers Entwurf der liechtensteinischen Zivilprozessordnung hatte ursprünglich vorgesehen, dass die klägerische Berechtigung zu einem Antrag auf einen vorgängigen Vergleichsversuch (§ 227 Abs. 1 FL-ZPO des Entwurfes) nur bei Streitwerten unter 1000 Kronen zulässig sein sollte.241 Dieses Erfordernis entfiel jedoch auf Vorschlag der zweiten 408§ 
8 Ausarbeitung 1909 bis 1912 238LI LA LTP 1912, 14. November 1912, S.21 (S.6). 239O. Na. vom 13. Juni 1914, S.1. 240So der Titel eines Artikels in den O. Na. vom 12. April 1919, S.1, der im einleiten- den Satz «die Verlegung der Gerichtsinstanzen ins Land» forderte; die Fortsetzung des äusserst kritischen Artikels in den O. Na. vom 16. April 1919, S.1, setzte detail- liert die Nachteile des ausländischen Rechtsmittelinstanzenzuges auseinander und argumentierte sogar unter Bezugnahme auf das Gutachten Peers aus dem Jahr 1907 (siehe oben unter §  7/II.). 241LI LA RE 1912/114, Walker, Gesetzentwürfe, 1911, S.60.
        

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