Möglichkeit. De lege lata fungierte das fürstliche Appellationsgericht in Wien als zweite Instanz und das Innsbrucker Oberlandesgericht als dritte Instanz; dieser Instanzenzug war teils umstritten, teils wurde er gutgeheissen. In seinem Gutachten von 1907/1908 hatte sich Josef Peer für eine im Turnus oder ausserordentlich tagende zweite Instanz in Vaduz und die dritte Instanz am fürstlichen Appellationsgericht in Wien ausgesprochen.180 Der Landtag hatte demgemäss 1907 in seiner Resolu- tion zur Justizreform die Einrichtung einer inländischen Berufungsin- stanz befürwortet.181 Hämmerle schlug nun einen weiteren neuen Rechtsmittelzug vor, der «im Interesse einer 
raschen und 
billigen Rechtspflege gelegen»182 sei. Als 
zweite Instanz und neues Appellations- gericht könne das Kreisgericht in Feldkirch dienen oder ein Gremium von drei Juristen bzw. Anwälten aus Vorarlberg, die für das Richteramt befähigt, indes nicht zwingend als Richter tätig wären183 und vom Lan- desfürsten ernannt würden. Grundsätzlich hätte die Zweitinstanz ihren Sitz in Feldkirch, ausnahmsweise würden die Richter jedoch zwecks mündlicher Verhandlung in Vaduz tagen. Als 
dritte Instanz und neuer- dings Obersten Gerichtshof schlug Hämmerle die fürstliche Hofkanzlei in Wien vor, wo das fürstliche Appellationsgericht de lege lata die Zweit - instanz bildete.184 Eventualiter, falls eine solche Änderung des Instanzenzuges infolge des österreichisch-liechtensteinischen Justizvertrages unmöglich wäre, regte Hämmerle an, sei zwar das Innsbrucker Oberlandesgericht als Drittinstanz beizubehalten, aber trotzdem die Zweitinstanz in vorge- schlagener Weise nach Feldkirch zu verlegen. Zumindest dürfte der Staatsvertrag, so Hämmerle, ohne Probleme dahingehend ergänzt wer- den können, dass die vom Fürsten als Appellationsgerichtsräte ernann- ten österreichischen Richter diese Funktion übernehmen und wie bis- lang dafür entsprechend freigestellt würden.185397 
IV. Gutachten Hämmerle 1912 180Siehe oben unter §  7/II./3./c). 181Siehe oben unter §  7/III./3./c)/bb). 182LI LA RE 1912/114, Gutachten Hämmerle, 24. Mai 1912, S.1, Hervorhebungen E.S., vgl. S.2. 183Vgl. LI LA RE 1912/114, Gutachten Hämmerle, 24. Mai 1912, S.2. 184Zum vorangehenden Absatz LI LA RE 1912/114, Gutachten Hämmerle, 24. Mai 1912, S.1. 185LI LA RE 1912/114, Gutachten Hämmerle, 24. Mai 1912, S.2f.
        

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