Sehr wohl bereitete die legistische Feinarbeit, wie sie Walker in den Entwürfen bei der Anpassung des Wortlautes und den entsprechenden Abstimmungen der Vorschriften untereinander geleistet hatte, eine immense Arbeit. In dieser Hinsicht konnte tatsächlich kaum eine Vor- schrift unbesehen und in ihrem Wortlaut unverändert in die Entwürfe aufgenommen werden, was die Entwürfe auch auswiesen.44 Walker sah sich gezwungen, den Wortlaut des Grossteils aller rezipierten Vorschrif- ten, wenngleich zuweilen auch nur geringfügig, so doch immerhin durchgängig zu verändern und den besonderen Gegebenheiten im liech- tensteinischen Zivilprozess anzugleichen. Im Übrigen verarbeitete er auch automatisch die seit Inkrafttreten der österreichischen Zivilpro- zessordnung im Jahre 1898 bis 1911 eingetretenen gesetzgeberischen Änderungen und praktischen Erkenntnisse in seinen Entwürfen.45 Die etlichen Anpassungen der Details im Normwortlaut dürften vermutlich auch zu Walkers Ansinnen beigetragen haben, eine möglichst grosse Vernehmlassung bei verschiedenen Gerichten und bei einem grossen Kreis von Juristen und Praktikern durchzuführen, um bislang noch ver- gessene Anpassungen herauszustellen und die vorgenommenen auf ihre Stimmigkeit hin zu prüfen. Zu einer solch umfassenden Vernehmlassung kam es indes nicht, zumindest nicht in dem von Walker ursprünglich beabsichtigten Umfang.46 Auf der anderen Seite trifft es ebenso zu, dass Walker sich in sei- nem Entwurf stark an das Vorbild der österreichischen Zivilprozessord- nung gehalten hat. Denn die materiellen Änderungen hielten sich in Grenzen: Das Konzept und die Struktur konnten beibehalten werden; vielfach waren in der Sache einfach Streichungen ganzer Konstrukte (wie des vorbereitenden Verfahrens) nötig; in keinem Fall bedurfte es einer kompletten dogmatischen Neukonstruktion. So hat Gustav Walker für 365 
I. Gesetzesentwürfe Walker 1911 44Siehe LI LA RE 1912/114, Walker, Gesetzentwürfe, 1911, S.196–244, zum Beispiel S.203, wo die zwar lediglich kleinen und sprachlichen, jedoch in einer Vielzahl nöti- gen Änderungen anschaulich werden, die Walker akribisch vornahm. Siehe auch LI LA RE 1912/114, Walker, Gesetzentwürfe, 1911, S.245–253, wo sich alle (auch nur geringfügig im Wortlaut) geänderten und unverändert übernommenen Paragraphen in einer Übersicht und in Konkordanz zu den Vorschriften der österreichischen Zivilprozessordnung finden. 45Vgl. Burmeister, Rechtswesen, S.743. 46Siehe oben unter §  8/I./1./b).
        

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