Buchstäblich war die österreichische Zivilprozessordnung bzw. deren Rezeption daher naheliegend, um weiterhin auf das österreichische Gerichtspersonal sowie dessen ungehindertes, prozessökonomisches Arbeiten zählen zu können. c)Gerichtsorganisation aa)Zweiter Landrichter? Ein prozessökonomisches Dilemma gerichtsorganisatorischer Art zeigte sich im Kommissionsbericht und in den Beratungen des Landtags: Es ging um die Frage, ob 
ein zweiter Landrichter am Vaduzer Landgericht angestellt werden sollte. Auf der einen Seite war das Landgericht, das heisst der einzige Landrichter, der für sämtliche Rechtsgebiete zuständig war, überlastet und in den kommenden Jahren würde der Geschäftsanfall am Landge- richt sicherlich weiter ansteigen. Um prozessökonomisch die Geschäfts- last bewältigen zu können, würde es eines zweiten Landrichters bedür- fen. Landtagspräsident Albert Schädler äusserte sich diesbezüglich, «[es] sei bei der derzeitigen Ueberlastung des Landgerichts ohnehin ein zwei- ter Richter in Aussicht zu nehmen[,]»178 womit sich seiner Meinung nach sämtliches Wenn und Aber erübrigte und man sich solcher Notwendig- keit zu fügen und einen zweiten Landrichter anzustellen hatte. Auf der anderen Seite gab es Gründe, die gegen einen zweiten Landrichter sprachen. Eine gerichtsorganisatorische Aufstockung um eine zweite Landrichterstelle hätte Kosten mit sich gebracht, die das Lan- desbudget stark belastet hätten. (Dagegen argumentierten sodann Lan- desverweser In der Maur und Landtagspräsident Schädler mit dem län- gerfristigen volkswirtschaftlichen Ertrag eines prozessökonomischen Verfahrens.179) Zudem stellte sich ein Zuständigkeits-Problem: Gerichts- organisatorische Veränderungen sowie die Ernennung eines neuen Land- richters bedingten das Einverständnis und rechtlich eine entsprechende Verordnung des Landesfürsten, konnten mit anderen Worten also nicht vom Landtag, sondern allein vom Landesfürsten veranlasst werden.180 342§ 
7 Beginn Justizreform 1906 bis 1908 178L. Vo. vom 20. Dezember 1907, S.6. 179Siehe unten unter §  7/III./3./d). 180Siehe oben unter §  7/III./2./a).
        

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