Von all den (rechts-)historischen, politischen, wirtschaftlichen und auch faktischen Gründen wog allerdings einer besonders schwer, was der Bericht mehrfach (sinngemäss) betonte172: der gerichtsorganisatorisch- personelle. Denn in dieser Hinsicht war die 
liechtensteinische Rechts- pflege unbedingt auf Österreich angewiesen, nämlich auf 
dessen Gerichtspersonal in Form des hiesigenLandrichters – und inskünftig allenfalls weiterer Landrichter.173 Der österreichisch-liechtensteinische Staatsvertrag zur Justizverwaltung aus dem Jahre 1884 biete zwar, so hielt der Bericht der Siebnerkommission fest, «die Gewähr, daß uns die österreichische Regierung die für die liechtenst[einische] Justizpflege 
nötigen richterlichen Beamten auf dem Wege der Beurlaubung für die Dauer der hiesigen Dienstleis- tungen 
überlässt. [...] [Es würde aber] bei einem Wechsel unseres [einzigen, E. S.] Landrichterpostens sicherlich heute schon Schwie- rigkeiten verursachen, einen Richter aus Oesterreich zu bekom- men, der sich in das ihm nicht geläufige, anderswo obsolet gewor- dene Verfahren [der liechtensteinischen Allgemeinen Gerichtsord- nung, E. S.] einspannen ließe.»174 Um dem Landrichter effizientes, das heisst prozessökonomisches Arbei- ten sowie den Transfer seiner Kenntnisse aus der gewohnten Verfah- rensordnung zu ermöglichen, war es praktischerweise ratsam und lag nahe, sich an das neue österreichische Zivilverfahren zu halten. Umso mehr, da es nicht absehbar war, dass sich die Verhältnisse in den kom- menden Jahren grundlegend ändern würden: Weiterhin würde Liechten- stein mangels eines (ausgebildeten) eigenen des österreichischen Richter- personals bedürfen, vielleicht ja schon demnächst in erweiterter Form eines zweiten Landrichters. Erschwerend mit Blick auf die Zukunft trat hinzu, was in der par- lamentarischen Debatte der Abgeordnete Friedrich Walser ergänzte: Das beschriebene Phänomen beschränkte sich nicht nur auf die erste Instanz 340§ 
7 Beginn Justizreform 1906 bis 1908 172Siehe LI LA LTA 1907 L1, Antrag Siebnerkommission, 14. Dezember 1907, S.2f.: «Anpassung der [...] Institutionen», «Einrichtungen unserer Justizpflege»; siehe auch Schädler, 1873–1889, S.42 und S.49 Fn. 1. 173Vgl. von Liechtenstein, S.83. 174LI LA LTA 1907 L1, Antrag Siebnerkommission, 14. Dezember 1907, S.3, Hervor- hebungen E. S.
        

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