mit Ja oder Nein beantworten lässt. Vielmehr ist Prozessökonomie (auch) ein 
Typus, der anhand seiner Merkmale 
exemplifiziert werden kann, das heisst dessen Vorhandensein im Vergleich und dabei im Sinne eines Mehr oder Weniger mit dem Verglichenen zutage tritt.60 So entgeht man einer prozessökonomischen Aporie, nämlich dem «Problem der vergleichslosen Qualität»61,welches besagt, «[w]o der Vergleich entfalle, [...] entfalle der Maßstab»62 eines gegenüberstellenden Verhältnisses. Wäre Prozessökonomie nur ein Begriff, stellte sich lediglich die Frage, was prozessökonomisch ist und was nicht; das wäre vielfach nicht ein- deutig zu bejahen oder zu verneinen. Erachtet man die Prozessökono- mie darüber hinaus auch als Typus, so kann die Frage dahingehend ver- feinert werden, was prozessökonomisch und was demgegenüber noch prozessökonomischer ist. Strenggenommen ist es nämlich widersprüch- lich, weil unvollständig, lediglich vom Begriff der Prozessökonomie zu sprechen, sie alsdann jedoch im Sinne eines Typus, nämlich des Mehr oder Minder, bei der Abwägung verschiedener Mittel zu behandeln. Prozessökonomie ist 
inhaltlich ein 
zeitlich und räumlich bedingtes Phänomen, das in jeder Rechtsordnung, und sei sie noch so stark von Rezeptionen durchsetzt wie die liechtensteinische, ihr eigenes Gepräge erhält. Man neigt fälschlicherweise dazu, Prozessökonomie als atempo- rale und stets dasselbe bezeichnende Erscheinung aufzufassen, da sie seit Jahrhunderten und Jahrtausenden63 in den Verfahrensordnungen gefor- dert und angestrebt wird. Aber Prozessökonomie bedeutet (insbeson- dere auf Seiten des Gesetzgebers) je nach zeitlichem und räumlichem Kontext inhaltlich nicht dasselbe, sondern variiert je nach Epoche, Staat, Rechtsordnung sowie sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen Umständen usw.64 Davon zu unterscheiden ist die Frage nach den Vorkehrungen, Massnahmen und Mechanismen der Prozessökonomie, wie solche in 34§ 
1 Prozessökonomie heute 60Vgl. Kaufmann, S.127f.m. w. H.; Haft, Waagschale, S.46. 61Mann, S.153 [Kapitel XIII]. 62Mann, S.153 [Kapitel XIII]. 63Ein frühes Beispiel aus Mesopotamien in der ersten Hälfte des zweiten vorchristli- chen Jahrtausends nennt Schmökel, S.135: «Abieschuch, Hammurabis Enkel, zitiert auf die Beschwerde zweier Kläger, daß ihr Prozeß beim Handelsamt in Sippar schon zwei Jahre verschleppt werde, den Beklagten und die Zeugen nach Babylon, damit ihre Angelegenheit dort geprüft werde.» 64Ortega y Gasset, Denken, S.227, sowie überaus anschaulich im römischen Kontext erörtert Ortega y Gasset, Imperium, S.432–434.
        

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