anschwellenden Geschäftsanfalles ein zweiter Landrichter angestellt werden müssen, werde dieser Umstand der wirtschaftlichen Entwick- lung Liechtensteins zuzuschreiben und mithin ein begrüssenswerter sein sowie das Verhältnis von Kosten und Nutzen einer zweiten Landrich- terstelle alsdann anders, nämlich günstiger ausfallen.78 e)Wahrung der Justizhoheit des Landesfürsten Als einen leitenden Gedanken seiner Überlegungen und Anregungen bezeichnete Peer, dass die 
Justizhoheit des Landesfürsten bei der Reform nachdrücklich gewahrt und aufrechterhalten bleiben müsse.79 In pro- zessökonomischer Hinsicht scheint die landesfürstliche Justizhoheit auf den ersten Blick unbedeutend. Berücksichtigt man jedoch, welche geo- graphisch handfesten Auswirkungen sie zeitigen konnte, wird sie pro- zessökonomisch höchst bedeutsam. Wenn man gemäss Peers Ansicht eine obere oder die oberste Instanz nach Wien an das fürstliche Appel- lationsgericht verlagerte, hätten sich zwischen den Instanzen geographi- sche, zur damaligen Zeit nur mühsam zu bewältigende Weiten ergeben, oder zumindest wären sie, nachdem der Instanzenzug Vaduz-Wien- Innsbruck schon bestand, nicht verkürzt worden. Daher stand man anlässlich der Reform vor der Entscheidung: Wollte man den Parteien die Überwindung dieser Distanzen sowie damit verbundenen Aufwand an Zeit und Kosten zumuten und so allenfalls in Kauf nehmen, dass ein (berechtigtes) Rechtsmittel gegen das erstinstanz- liche Urteil angesichts solchen Aufwandes unterblieb? Oder sollten die Verfahren der oberen Instanzen in Anbetracht der geographischen Hin- dernisse stattdessen schriftlich und nichtöffentlich gestaltet werden, wobei die fortschrittliche Tendenz hin zu Mündlichkeit und Öffentlich- keit dort preisgegeben würde? – Peer entschied sich in seinem Gutach- ten für eine media sententia: Er trat für eine erste und zweite Instanz 
in Liechtenstein mit (grundsätzlich) mündlichem und öffentlichem Verfah- ren ein, während er die dritte Instanz mit schriftlichem und geheimem Verfahren nach Wien zu verlegen befürwortete. Damit wäre letztlich die fürstliche Justizhoheit gewahrt und ihr darüber hinaus bei der höchsten gerichtlichen Instanz auch geographisch Ausdruck verliehen worden. 317 
II. Gutachten Peer 1907/1908 78LI LA RE 1908/0570, Gutachten Peer, 7. Februar 1908, S.3. 79LI LA RE 1908/0570, Gutachten Peer, 7. Februar 1908, S.2.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.