gende Ursache für die prozessökonomischen Mängel angesehen wurde, setzte man bei ihr an, um die Ursachen und damit die daraus folgenden Mängel zu beseitigen. Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild der Mechanismen: (1) Die Parteien werden ausdrücklich zur Kürze und Ver- meidung von Überflüssigem in ihrem Vorbringen verpflichtet. (2) Das Gericht bestimmt bei unerwiderten tatsächlichen Vorbringen, ob sie stillschweigend zugestanden oder bestritten wurden und somit deren Beweisbedürftigkeit, das heisst, ob sie beweisbedürftig sind und, beja- hendenfalls, wohl auch den Umfang und das Beweismass, wobei die Beweislast stets die behauptende Partei trifft. (3) Gegen absichtlich unwahre Tatsachenbehauptungen sowie gegen fahrlässig überflüssiges Vorbringen bei Erwiderungen verhängt das Gericht zwangsläufig Ord- nungsstrafen, je nach Umständen des Einzelfalles gegenüber dem Rechtsvertreter, der Partei oder beiden. Der Einbau der fünf neuen Bestimmungen, numeriert von 1. bis 5., mutet 
legistisch sonderbar an, wurden doch dadurch vier Paragraphen ersetzt, die sich zum einen im ersten, zum anderen im elften Kapitel der liechtensteinischen Allgemeinen Gerichtsordnung befanden. Eine sol- che, etwas unbeholfene Konstruktion ging zulasten der Einfachheit der Verfahrensordnung, obwohl die neuen Bestimmungen das Verfahren an sich vereinfachten32. Diese Konstruktion wird vielleicht erklärbar aus den damals nur punktuell möglichen und angestrebten Änderungen, wodurch die Systematik der Verfahrensordnung ansonsten unangetastet bleiben sollte und weshalb sie ihr an-, und nicht eingefügt wurden. Insgesamt traten Zweck und Ziel der neuen Bestimmungen jedoch deutlich hervor. Zwei 
Tendenzen zeichneten sich im Kontrast zu den ersetzten Paragraphen der liechtensteinischen Allgemeinen Gerichtsord- nung ab: zum einen das Bestreben nach Prozessökonomisierung bei Par- teivorbringen; zum anderen die Erweiterung des gerichtlichen Hand- lungsspielraums, das heisst sowohl bezüglich der gerichtlichen Würdi- gung von Parteivorbringen – deren Verwirklichung bei der Novellierung der Strafprozessordnung misslang33 – als auch mittels Ordnungsstrafen. Diese Tendenzen sollten später in der liechtensteinischen Zivilprozess- ordnung von 1912 ausgebaut und weitergreifend umgesetzt werden. 306§ 
7 Beginn Justizreform 1906 bis 1908 32So die Beurteilung seitens Schädler, 1901–1911, S.35. 33Siehe oben §  7/I./1./a).
        

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